D1 - Aktionäre und Gläubiger beantragen Sonderverwalter

Details zum Insolvenzskandal CargoLifter

D1 - Aktionäre und Gläubiger beantragen Sonderverwalter

Beitragvon Dossier-Admin » Do, 04.01.2007 16:07

Dossier 1: Aktionärseigene "Zukunft in Brand GmbH" stellt gerichtlichen Antrag auf Einsetzung eines Sonderverwalters

Es gibt Notare, die sich an Erbfällen bereichern. Es gibt Vormünder, die die Kassen ihrer Schutzbefohlenen plündern. Und es gibt Insolvenzverwalter, die schlimmer agieren als die berüchtigten Heuschrecken.
Leider existieren nur wenige Möglichkeiten, juristisch gegen unfähige Insolvenzverwalter vorzugehen. Die Fehlleistungen des CargoLifter Insolvenzverwalters Rolf-Dieter Mönning allerdings haben ein Ausmaß erreicht, dass sich Gläubiger und Schuldner im selben Boot wissen und rechtliche Schritte möglich machen.
Der Antrag der aktionärseigenen Zukunft in Brand GmbH (eingereicht am 13.10.2006), der eine Reihe von Gläubigern ihre Forderungen abgetreten haben, benennt exemplarisch vier klare Fälle von Vermögensvernichtung durch den Insolvenzverwalter.

1. Zerstörung des Luftfahrtgerätes CL 75 durch Sturm. Der Insolvenzverwalter hatte den Lastballon beim Jahrhundertsturm im Juli 2002 nicht in die CargoLifter Halle gebracht,
- obwohl er wegen Unwettergefahren von CargoLifter Mitarbeitern gewarnt worden war,
- obwohl er unmittelbar zuvor den Versicherungsschutz des CL 75 (Montageversicherung Gerling/HDI/AXA) zum 30.06.2002 hatte auslaufen lassen
- obwohl er für das größte bewegliche Wirtschaftsgut der CargoLifter Gruppe eine besondere Sicherungspflicht hatte.
Schaden: mindestens 10 Mio €.
Rolf Dieter Mönning ist Insolvenzverwalter für alle Tochterfirmen der CargoLifter Gruppe. Ein Umstand, der ihm ein Millionenhonorar beschert hat. (Allein für seine "Tätigkeit" als so genannter vorläufiger "starker" Insolvenzverwalter hat er gegenüber dem Gericht über 500 000 Euro Honorar geltend gemacht und auch prompt vom Insolvenzgericht zugesprochen bekommen. Wegen des "besonderen Schwierigkeitsgrades". Dagegen läuft ein Beschwerdeverfahren.)

2. Verkauf des Ausbildungs-Luftschiffs "Skyship 600" für 100.000 € statt der ursprünglich gebotenen 1.5 Mio - an den selben Bieter (!) Der Insolvenzverwalter hat sich Zeit gelassen, bis alle Betriebsgenehmigungen des Luftschiffs abgelaufen waren.

3. Weiterzahlung der Gebäudemiete für die Berliner CargoLifter Büros. Der Insolvenzverwalter hatte trotz Sonderkündigungsrecht verschlampt, den Mietvertrag rechtzeitig aufzulösen.

4. Der Insolvenzverwalter führte und führt - eine mittlerweile beinahe unüberschaubare Fülle von Prozessen gegen Mitarbeiter, Aktionäre und sogar Gläubiger (!) der CL AG, die er bis auf einige noch laufende Berufungen fast ausnahmslos verloren hat. Z.B. rund ein Dutzend gleichlautende Prozesse gegen CL Mitarbeiter, die absehbar aussichtslos waren, und die er alle nacheinander verlor, was dem Insolvenzverwalter aber nicht schadet, denn seine Rechtsanwaltsgebühren lässt er sich aus der Insolvenzmasse erstatten! Mehr noch, es gibt - erstaunlicherweise legale - "Kreislaufgeschäfte". Anwälte, die als vermeintlich "Unabhängige" CargoLifter-Verfahren bearbeiteten, wurden in zwei Fällen Mitglied seiner Kanzlei, einer noch während des Prozesses. So bleibt das Geld in der Familie!

In der Öffentlichkeit wurde spekuliert, dass riesige Summen Fördergelder in dem Projekt vernichtet wurden. Ein Eindruck, der durch die Politik und den Insolvenzverwalter nicht korrigiert wurde. Dabei hatten vorwiegend Kleinaktionäre über 300 Mio Euro privates Kapital investiert, staatliche Fördergelder (größtenteils EU Mittel) steckten nur ca. 42 Millionen Euro in dem Projekt.
Mehr noch, verrechnet man alle Fördermittel mit den staatlichen Einnahmen aus der CargoLifter AG, hat der Fiskus bereits vor der Insolvenz einen Nettogewinn von 9,3 Mio Euro erwirtschaftet, wie der SPD-Kreistagsabgeordnete Udo Effert öffentlich vorrechnete. Zudem erfüllt das geförderte Gebäude - zumindestens offiziell - den Förderzweck weiterhin.
Trotzdem agierte der Staat als "Hauptgeschädigter", besetzte komplett den Gläubigerausschussund traf alle Entscheidungen allein - gegen die Interessen der Aktionäre und Lieferanten.

Die Aktionäre gingen leer aus. Ihr Eigentum, die CargoLifter AG, wurde systematisch demontiert und desavouiert - mit besonderem „Engagement“ des damaligen brandenburgischen Wirtschaftsministers Fürniß, der dann bekanntlich wegen der "Millionen aus dem Morgenland" für sein Privatkonto zurücktreten musste.

Die Initiative Zukunft in Brand wird den Insolvenzskandal CargoLifter in den folgenden Wochen minutiös aufrollen.
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