wdr: Cargolifter ist abgestürzt

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Beitragvon WorstOnTop » Do, 13.02.2003 15:57

Für 600 Mio DM (= 300 Mio EURO) hätte man 2 Dresdener Frauenkirchen wieder aufbauen können.


Interessante Idee. Da die Halle von Cargolifter noch nicht wie der Schürmann-Bau abgesoffen ist könnte man sie durchaus mitsamt den anderen noch vorhandenen Werten verkaufen und damit eine zweite Frauenkirche bauen, oder besser "wiederaufbauen". Ich könnte mir vorstellen, dass dies ausreichende "politische Effekte" hätte. Wiederaufbau ist nämlich eine deutsche Spezialität, kulturhistorisch betrachtet einfach nicht zu schlagen.

Die Halle wurde nicht wiederaufgebaut, Cargolifter hatte, zugegeben, keinen Heimvorteil.

Die Zeiten sollen sich geändert haben Herr von G. !


Blühende Landschaften !
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Re: CL ist abgestürzt

Beitragvon pestw » Do, 13.02.2003 16:31

G. Dick hat geschrieben:Ich habe die Vermutung, daß sich niemand so richtig klarmacht, welche Summe bei CL vertan wurde. Bisher war ich immer der Meinung bei den 300,-Mio Aktionärskapital handele es sich um DM-Beträge. Es sind aber doch offenbar EURO gemeint, also insgesamt rd. 600,- Mio DM !!!
Ich beobachte, nicht nur bei dir übrigens, dass sich manche Leute nicht klarmachen, was es heißt, ein Luftschiff dieser Größe zu bauen. Es ging da schließlich nicht um ein Spielzeug. Vergleich doch mal was die Entwicklung eines Verkehrsflugzeugs kostet. Der A380 z.B. soll 4 Milliarden kosten. (Oops - sind das nun DM oder Euro :oops: :?: ) Die Neuentwicklung eines PkW-Motors soll auch ein bis zwei Milliarden Euro kosten. Die Bahnstrecke von München nach Nürnberg hat ein paar Milliarden Mehrkosten hervorgebracht, weil man vorher nicht ahnen konnte, dass sich in dem zu durchschneidenden Karstgebiet Löcher befinden würden. :roll:
Und hier haben wir es mit der Neuentwicklung eines neuartigen Luftfahrzeugs zu tun. Darum: wenn das mit dem CL 160 unter einer Milliarde Euro hinzubekommen ist, dann ist es eh gut!

Das Problem ist viel mehr, dass es ein zu großer Brocken war, um ihn auf einmal zu stemmen. Dass es halt nicht gut geht, eine mehrjährige Durststrecke zu überwinden und sich in dieser Zeit nur von der Börse vorzufinanzieren. Da werden die Anleger irgendwann ungeduldig. Es hätte zuvor ein profitables Business da sein müssen, d.h. z.B. der AirCrane hätte viel stärker forciert werden müssen, und zwar als Produkt. Oder ein CL X (z.B. ein CL 30) hätte her müssen. Zumindestens ab dem Moment wo klar wurde, dass sich der CL 160 um einige Jahre verzögert.

Und weil da immer wieder kommt, die Büros wären zu gut ausgestattet gewesen, elektrische Jalousien und Designerlampen etc: Mag sein, aber das sind wirklich kleine Fische.
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Beitragvon MaBu » Do, 13.02.2003 17:33

Ich beobachte, nicht nur bei dir übrigens, dass sich manche Leute nicht klarmachen, was es heißt, ein Luftschiff dieser Größe zu bauen.

Das betrifft vor allem Herrn von Gablenz der in einem Interview behauptete CL komme OHNE weitere Mittel bis zum Serienstart aus. Es ist leider so das es nicht einmal begonnen wurde trotz "Produktionsstart" (was auch immer das im CL-Jargon ist).


eines neuartigen Luftfahrzeugs

Neuartig sind Blimps nicht, lediglich der Zweck soll ein anderer sein (und natürlich die Größe).

der AirCrane hätte viel stärker forciert werden müssen

Der AirCrane hat nur Geld gekostet ein Kunde (der das Ding hätte bezahlen können) gab es dafür eh nicht. Nicht einmal einen Interessenten.

Und weil da immer wieder kommt, die Büros wären zu gut ausgestattet gewesen, elektrische Jalousien und Designerlampen etc: Mag sein, aber das sind wirklich kleine Fische.


Ein paar kleine Fische und Büros weniger hätte einige Milliönchen Aktionärsgelder gespart!
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Beitragvon Ollovar » Fr, 14.02.2003 9:14

MaBu hat geschrieben:Neuartig sind Blimps nicht, lediglich der Zweck soll ein anderer sein (und natürlich die Größe).


Der CL160 sollte kein Blimp werden sondern ein Kielluftschiff.
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Luftschifftypen

Beitragvon 5dim » Fr, 14.02.2003 9:48

Kurze Einführung:

Mann unterscheidet zwischen Prall-, Kiel- und Starrluftschiffen.

Für die Prall-Luftschiffe, bei denen der Innendruck für den Formerhalt maßgeblich ist, hat sich der englische Ausdruck 'Blimps' eingebürgert (wegen des Geräusches beim Schnippen gegen die Außenhaut).

Kiel-Luftschiffe ermöglichen eine größere Konstruktion, da die Form durch ein Kielgerüst unterstützt wird. Vorteil gegenüber einem Starr-Luftschiff: wegen des kleineren Gerüstes geringeres Eigengewicht. Nachteil: Baugröße stark abhängig von der Qualität der Außenhaut.

Starrluftschiffe sind unter dem Begriff 'Zeppeline' bekannt (wobei der 'Zeppelin NT' meines Wissens zu den Kiel-Luftschiffen gehört). Durch ein stabiles Gerüst wird die Form des Fahrzeuges gewahrt. Ein zu schwaches Gerüst kann fatale Folgen haben, wie vor allem diverse Unglücke amerikanischer 'Zeppeline' zeigen. Ein zu schweres Gerüst stellt gleichfalls eine Gefahr dar, wie vor allem die Engländer mit ihren Prototypen erfahren 'durften'. Starr-Luftschiffe werden auf Grund der Größen-Gewicht-Probleme, welche bislang eigentlich nur durch den Gebrauch des brennbaren Wasserstoffes von deutscher Seite sicher in den Griff genommen wurden (wobei ausreichende Erfahrungen mit Helium hierzulande noch fehlen), heute nicht mehr gebaut. Gleichwohl bieten sich diesbezüglich auf Grund neuer Materialen noch Möglichkeiten, zum Beispiel flexiblere Gerüste zur Vorbeugung von Sturmschäden.
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Luftschiffe

Beitragvon Andreas Eichner » Fr, 14.02.2003 10:22

Der CL 160 soll ein halbstarres Kielluftschiff werden. Also eine Mischung aus Blimp (wegen der Gewichtsvorteile) und Kielluftschiff (wegen der Ladebucht). Die Lastverteilung soll über einen Vorhang von Seilen über die tragende Hülle hinweg gleichmäßig erfolgen. Sinnbildlich ist das also so, als wenn man einen Lufballon in ein Netz hängt und unten Last anbaut. Dadurch bleibt die Flexibilität der Hülle erhalten, die Last wird über die gesamte Hüllenfläche verteilt und damit werden die auftretenden Punktlasten reduziert.

Andreas
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Beitragvon MaBu » Fr, 14.02.2003 12:05

Achso, danke! Wieder was gelernt!

Matthias
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Transrapid

Beitragvon 5dim » So, 16.02.2003 11:21

G. Dick schrieb:

Technikbegeisterung genügt eben nicht allein ! Dies zeigt auch deutlich das Gerangel um den Transrapid. Investitionskosten und Nutzeffekt müssen zumindest in einem annehmbaren Verhältnis stehen.

Antwort: Leider zeigt gerade das Thema 'Transrapid', daß Politiker oft die wahren Dimensionen eines neuen Verkehrmittels verkennen.

Da war nun Gerhard Schröder in Shanghai (mit einem Düsenflieger vermutlich), um der Einweihung einer Vorortbahn beizuwohnen und Anregungen für einen Metrorapid ('Bimmelbahn' durch das Ruhrgebiet) zu gewinnen. Dabei wurde bereits im 1950er Jahrzehnt die Einschienenbahn als Nachfolger für die Transsib propagiert, welche bekanntlich zur Durchquerung Asiens (bei einer Höchstgeschwindigkeit von 140 km/h) noch acht Tage braucht. Davon ist heute - auch angesichts der 'emerging markets' - keine Rede mehr! Der Anfangsabschnitt einer solchen Strecke (Hamburg - Berlin) wurde sogar frühzeitig zugunsten der Vorortbahnen (darunter verstehe ich auch die bayerische Trasse) verworfen!

Die Zukunft wird eben von den Politikern verplant und verhökert anstatt bewältigt...

Übrigens: der Bau der Transsib dauerte 25 Jahre und wurde selbst im Ersten Weltkrieg nicht unterbrochen, sondern fertiggestellt. So etwas nenne ich Leistung. Den Chinesen verdanken wir übrigens die nach ihnen benannte Mauer, und diese wurde bereits vor Jahrhunderten in Handarbeit gefertigt (unter großen Opfern). - Was bringen WIR eigentlich noch fertig? Wollen wir da nicht lieber unser'n Kaiser Wi'lm wiederha'm? (Von mir aus darf der auch gerne Gerhard heißen...)
Zuletzt geändert von 5dim am Fr, 21.02.2003 10:07, insgesamt 1-mal geändert.
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'ungeduldige' Aktionäre?

Beitragvon 5dim » So, 16.02.2003 11:38

pestw schrieb:

Das Problem ist viel mehr, dass es ein zu großer Brocken war, um ihn auf einmal zu stemmen. Dass es halt nicht gut geht, eine mehrjährige Durststrecke zu überwinden und sich in dieser Zeit nur von der Börse vorzufinanzieren. Da werden die Anleger irgendwann ungeduldig.

Antwort:

Harte Brocken im Verkehrswesern mit eher geduldigen Aktionäre gibt es in Europa durchaus. Ich erinnere hier nur an das 'Eurotunnel'-Projekt zwischen England und Frankreich!
http://informer2.comdirect.de/de/suche/_pages/fokus/main.html?sSymbol=ETL.ISE&sid=

Für schnelle Gewinne sind solche Börsentitel freilich weniger geeignet als für Geduldsproben...
Investitionen sollten m. E. zukunftsgerichtet sein, ansonsten sollten Wirtschaftinteressierte die Eckkneipe nebenan besuchen. Dort sitzt man direkt an der Quelle!
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