Nun baut Boeing das Luftschiff

Hier ist der Platz für Artikel die für alle interessant sein könnten. (ZiB und CargoLifter).

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Nun baut Boeing das Luftschiff

Beitragvon hilgenberg » Do, 10.07.2008 21:56

Märkische Allgemeine, 10.07.2008

http://www.maerkischeallgemeine.de/cms/ ... rn_an.html

LUFTVERKEHR: Nun baut Boeing das Luftschiff
US-Konzern kooperiert mit Kanadiern / Pläne erinnern an Cargolifter

Das US-Luftschiff soll später einmal schwere Lasten...
POTSDAM - Überrascht hat die Nachricht von Boeing den ehemaligen Chef der Cargolifter AG, Carl von Gablenz, nicht. „Seit unserem Start damals ist der Geist aus der Flasche, Lasten mit Luftschiffen zu transportieren“, sagt der heutige Aufsichtsratsvorsitzende des Nachfolgeunternehmens Cargolifter GmbH.

Boeing hat angekündigt, in Kooperation mit dem kanadischen Unternehmen Skyhook ein Luftschiff bauen zu wollen, das 40 Tonnen schwere Lasten bis zu 320 Kilometer weit transportieren kann. Skyhook habe das Patent für den mit Helium gefüllten Transporter und Boeing werde das Jess Heavy Lifter (JHL-40) genannte Projekt entwickeln und bauen, sagte ein Boeing-Sprecher. Skyhook betreibe die Luftschiffe später. Zunächst sollen zwei Prototypen entstehen, eine Flugzulassung wird für 2012 angestrebt. Über die Kosten schwieg sich Boeing aus.

Die Pläne ähneln sehr dem Cargolifter-Vorhaben, das den Bau eines Transporters für bis zu 160 Tonnen (CL 160) in einer eigens dafür in Brand (Dahme-Spreewald) errichteten Werft vorsah, in der heute der Freizeitpark Tropical Islands residiert. Boeing und Cargolifter hatten im Mai 2002, kurz vor der Cargolifter-Pleite, noch eine Absichtserklärung über eine Entwicklungskooperation unterzeichnet. Der Jess Heavy Lifter unterscheidet sich aber in einem wesentlichen Punkt vom CL 160. Während das Cargolifter-Vorhaben allein auf dem Auftrieb des Luftschiffs mittels Helium basierte, soll der JHL-40 zusätzlich mit Hilfe von vier Rotoren – ähnlich einem Hubschrauber – die Lasten stemmen. „Das ist ein komplett anderes Konzept“, meint der Hamburger Luftfahrtexperte Heinrich Großbongardt, der früher für Boeing tätig war.

Auch von Gablenz spricht von „anderen Plänen“. Gleichwohl werde man „analysieren, ob Patentrechte verletzt wurden“. Boeing hatte im Vorfeld der Absichtserklärung Einblick in die „Leichter-als-Luft-Technologie“ von Cargolifter genommen.

Auch die Marktvorstellung von Boeing und Skyhook für den Einsatz des JHL-40 ähnelt der von Cargolifter. Demnach ist zunächst an Einsätze in der kanadischen Arktis gedacht. Die Liste der Interessenten sei lang, sagt Skyhook-Präsident Pete Jess. Er rechne mit einem Bedarf von zunächst 60 Maschinen.

Cargolifter hatte 2002 den Verkauf seines Transport-Ballons CL 75 nach Kanada gemeldet. Er sollte, von Lastern gezogen, Transporte über Eispisten abwickeln. „Die neuen Pläne bestätigen, dass der Markt da ist“, sagt von Gablenz – vor allem in Kanada. Das hat auch das Institut Iso Polar an der Universität in Winnipeg (Kanada), ermittelt, bei dem das neue Cargolifter-Unternehmen Mitglied ist.

Der Luftschiffbauer hat auch weiterhin Pläne in der Region (s. Kasten). „Wir können das umsetzen“, sagt von Gablenz. Ob man sich im brandenburgischen Wirtschaftsministerium nun nachträglich insgeheim ärgert, ist nicht bekannt. Von Gablenz hatte vor der Pleite von Cargolifter häufiger über mangelnde Hilfe durch die öffentliche Hand geklagt. „Cargolifter hatte die Unterstützung der Landesregierung und die Akzeptanz der Technologie, ist aber letztlich aus unternehmerischen Gründen gescheitert“, heißt es heute im Ministerium. (Von Gerald Dietz)



Für den Cargolifter-Nachfolger fehlt nur noch Geld

Der Nachfolger des Luftschiffbauers in Brand, die Cargolifter GmbH & Co. KG, arbeitet schon längere Zeit an Folgeprojekten der alten Pläne. Früher hatte man neben dem Transportballon real nur das Testluftschiff „Charly".

Das neue Konzept stehe im Prinzip, meint Aufsichtsratschef Carl von Gablenz. Basis ist ein Ballon ähnlich dem früheren CL 75, der Lasten heben und senken kann. Ein Test Ende des vergangenen Jahres mit einem eigens dafür vom Windkraftanlagenbauer Nordex gefertigten Rotorblatt auf dem Flugplatz Neuhardenberg (Märkisch-Oderland) sei positiv verlaufen.

Aufbauend auf dem Ballon sollen auf dem Weg zum Luftschiff zwischen die beiden Hälften - je nach gewünschter Größe - Scheiben eingefügt werden. Diese Modulbauweise führt zumindest in den Plänen bis zu einem Riesen-Transportgefährt in den Dimensionen der früheren „Hindenburg". „Was wir nun brauchen, ist Geld", so von Gablenz. Entsprechende Gespräche würden geführt - „vorwiegend im Ausland".

gd
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Beitragvon hilgenberg » Do, 10.07.2008 22:00

Ebenfalls Märkische Allgemeine, 10.07.2008

http://www.maerkischeallgemeine.de/cms/ ... 037/63629/

Andreas Streim über die Pläne des US-Konzerns Boeing, ein Lastenluftschiff zu bauen

Hochfliegende Träume

Das Projekt des US-Luftfahrtriesen Boeing, ein gewaltiges Luftschiff zum Transport von schweren Lasten zu bauen, erinnert in der Tat an die Pläne der gescheiterten märkischen Cargolifter AG. Doch der nachträgliche Beweis, dass es für die hochfliegenden Träume von Ex-Cargolifter-Chef Carl von Gablenz einen Absatzmarkt gibt, ist diese Ankündigung nicht.

Bisher ist nämlich keines der US-Luftschiffe gebaut worden. In der schnelllebigen Luftfahrtbranche wäre es nicht das erste Projekt, das über das Planungsstadium nicht hinaus kommt.

Und selbst wenn Boeing erfolgreich Lastenluftschiffe bauen sollte, beweist das vor allem zweierlei: Zum einen, dass die Technik der Amerikaner, die unter anderem auf zusätzliche Rotoren setzen, funktioniert, während Cargolifter nie die Probleme lösen konnte, die beim Laden und Entladen des eigenen Modells bestanden. Und zum anderen würde es belegen, dass Cargolifter gravierende Managementfehler begangen hat. So ist es nicht gelungen, rechtzeitig solvente Partner wie Boeing an Bord zu holen. Und es wäre sicher besser gewesen, nicht zuerst viel Geld für eine Werft auszugeben, in der dann nie etwas wirklich Großes gebaut wurde.
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Pawlow'scher Reflex

Beitragvon hilgenberg » Do, 10.07.2008 22:39

Faszinierend, wie manche jetzt schon wieder anfangen zu rechtfertigen und für richtig zu erklären, dass in Deutschland ein ambitioniertes Projekt nicht zum Erfolg kommen kann, wenn es Andere (die Amerikaner) nicht schon mal vorgemacht haben. Es ist erstaunlich, dass jemand auf Basis offenkundiger Ahnungslosigkeit – für jemanden, der sich mit der Materie tatsächlich beschäftigt hat auch leicht erkennbar – dem einen Konzept größere Relevanz zusprechen kann als dem anderen. Man bekommt den Eindruck, dass da in einer Art Pawlow'scher Reflex in Abwehrhaltung gegangen wird, weil man sich und der Welt nicht eingestehen möchte, damals unrecht gehabt zu haben.

Die Argumentationskette, die hier aufgestellt wird, ist wirklich vom Feinsten:

Wenn Boeing Erfolg hat, dann weil das Konzept technisch besser ist! Und als Beispiel für diese Feststellung wird gerade der Punkt unter den wenigen heute bekannten Fakten herausgegriffen, der gerade einen der größeren Knackpunkte in diesem Konzept darstellen dürfte.
Umgekehrt wird als Beweis für die Untauglichkeit des CL-Konzepts - entgegen der Beweislage - behauptet, CL hätte Probleme beim Lastaustausch nicht bewältigen können.

Es wird darauf verwiesen, dass CL sich zunächst solvente Partner hätte suchen sollen, während ein paar Absätze vorher noch berichtet wird, dass die hier als solventes Unternehmen charakterisierte Boeing Corp. seinerzeit die Zusammenarbeitsabsicht mit CL verkündet hatte. Gleichzeitig außer Acht lassend, dass das in Europa für derlei Zwecke wohl in erster Linie in Frage kommende solvente Unternehmen EADS mit Milliarden aus öffentlichen Mitteln in die Lage versetzt wird, lediglich ein weiteres konventionelles Flugzeug in den Markt zu bringen. Weiterhin außer Acht lassend, dass bei derlei Großprojekten sich die solventen Großindustrieunternehmen regelmäßig ihr Engagement wenigstens mit staatlichen Risikogarantien absichern lassen. Mal ganz abgesehen davon, dass die hier ins Auge gefassten solventen Partner wie z.B. die EADS eben um die gleichen öffentlichen Mittel für Luft- und Raumfahrt mit dem neuen Schwein am Trog namens CargoLifter in Konkurrenz stand.

Es ist mir nicht bekannt, ob Boeing heute über Räumlichkeiten verfügt, die groß genug sind, um den Bau der Prototypen und später der Serien-Luftschiffe zu beherbergen. Gesetzt den Fall das nicht, bin ich wirklich gespannt, ob sie beginnen werden die Teile im Freien zu montieren und zu testen, und erst, wenn das erste Luftschiff alle Zulassungen und Tests bestanden hat, mit dem Bau einer Werft beginnen.

CargoLifter ist schon ein interessantes Phänomen. Neulich hat es ein echter Kenner der Materie recht treffend auf den Punkt gebracht:

„… Das rätselhafte ist doch, dass man an jeder Ecke hören kann, dass CL in dem Bereich, in dem man selbst zu Hause ist, eigentlich ganz okay war, aber:

die Banker sagen, die Pressearbeit war schlecht,
die Presseleute sagen, das Management hat nichts getaugt,
die Manager sagen, die Technik war nicht ausgereift
und die Techniker sagen, das Management war schlecht,
Die Politiker sagen, dass Management war unseriös und die Banker hätten keinen Markt gesehen.
uns so weiter im Kreis

Fazit: Keiner weiß so genau, warum gesteinigt wurde. Aber da ist eine Leiche - die MUSS doch - lebend - was böses getan haben, sonst hätte man nicht gesteinigt.“
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Probleme beim Laden und Entladen??

Beitragvon pestw » Mo, 14.07.2008 13:37

Andreas Streim hat geschrieben:während Cargolifter nie die Probleme lösen konnte, die beim Laden und Entladen des eigenen Modells bestanden.

Bei Herrn Streim scheint es sich um einen Redaktions-Volontär zu handeln, der zur Zeit der CargoLifter-Insolvenz noch beinahe in den Windeln gelegen hat. :evil:
Hätte er nämlich die Zeit mitbekommen, über die man ihm zu schreiben erlaubt, oder hätte er wie ein erfahrener Redakteur erst einmal recherchiert, anstatt ins Blaue hinein zu fabulieren, dann wäre ihm bekannt, dass die Machbarkeit des CL 160 in einem technischen Hearing aus weltweit anerkannten, auch kritisch eingestellten Experten in der Woche ab 10.7.2002, im Wesentlichen bestätigt wurde. Hier nachzulesen in einem Statement des Leiters dieses Hearings, Prof. Andreas Gebhardt: http://www.berlinews.de/artikel.php?14689

Und dann wäre ihm auch bekannt, dass der Vorgang des Ladens und Entladens vor einem Expertengremium der Bundeswehr anhand des CL 75 Transportballons im Mai 2002 völlig problemlos und eindrucksvoll demonstriert wurde. Der 55 t schwere Minenräumpanzer wurde in den Laderahmen des CL 75 verbracht, in kürzester Zeit mittels Abpumpens von Ballastwasser um ein paar Meter angehoben, der Ballon ein Stück fortgezogen und durch Zurückpumpen der korrekten Menge Ballastwasser, ebenfalls innerhalb weniger Minuten, wieder abgesenkt, so dass er den Laderahmen wieder verlassen konnte. Wer bis dahin noch Zweifel haben konnte, dass an diesem Verfahren irgendetwas dran sein könnte, das in der Praxis nicht richtig funktioniert, wurde damit eines Besseren belehrt.
Bild

Wer jetzt noch behauptet, CargoLifter hätte irgendwelche technischen Probleme nicht in Griff bekommen, dem muss man Böswilligkeit und Arglist unterstellen. Oder Unkenntnis. In all diesen Fällen sollte er nicht für eine Zeitung schreiben dürfen, die sich für seriös hält. :evil:
Bild :zib Initiative Zukunft in Brand - Wir verleihen CargoLifter Auftrieb!
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Ja kennen denn die CargoLifter nicht?

Beitragvon pestw » Mo, 14.07.2008 14:53

Mag noch jemand ein bisschen Journalistenschelte betreiben? Bitte sehr - hier eine Steilvorlage :twisted:
(Kölner Stadtanzeiger)

http://www.ksta.de/html/artikel/1214566284053.shtml

Das Luftschiff als Luftschloss
VON JÜRGEN SUSSENBURGER, 09.07.08, 21:36h

Der US-Flugzeugbauer Boeing plant, riesige Luftschiffe zum Transport von Lasten zu bauen. Damit erwacht ein "Zombie" zu neuem Leben: Genau mit diesem Vorhaben hat die Firma Cargolifter vor nicht allzu langer Zeit eine spektakuläre Bruchlandung an der Börse hingelegt.
Ölpreisschock und Inflationsängste - das erinnert schwer an die 70er Jahre und die „Grenzen des Wachstums“ (Club of Rome). Und doch ist alles ebenso aktuell wie die neu entflammte Diskussion über die Atomkraft. Manchmal beschleicht einen das Gefühl, Themen kehrten wie Mode-Erscheinungen wieder. Die Postbank sollte schon Anfang der 90er Jahre an die Commerzbank verkauft werden - jetzt ist das erneut im Gespräch. Und angesichts der hohen Benzinpreise wird wohl bald jemand die uralte Debatte um ein Tempolimit entfachen.
Nun aber taucht ein Thema auf, das endgültig als beerdigt galt: der Bau riesiger Luftschiffe zum Transport von Lasten. Kennt man beim US-Flugzeugbauer Boeing etwa nicht die grandiose Geschichte der Firma Cargolifter? Vor acht Jahren schwebte sie an die Börse, um zwei Jahre später eine spektakuläre Bruchlandung zu absolvieren: Cargolifter verbrannte mehr als 320 Millionen Euro von 74.000 euphorisierten Kleinaktionären, das Land Brandenburg setzte zudem 40 Millionen Euro Steuergelder in den märkischen Sand. Vom Luftschiff-Traum blieb nur etwas mehr ein Luftschloss übrig - ein überdachter Freizeitpark mit Regenwald in der ehemaligen Montagehalle.
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Die Welt als Scheibe

Beitragvon hilgenberg » Di, 15.07.2008 11:34

Manchmal hat man das Gefühl, dass Zeitungskommentatoren nur nach Anzahl der Worte bezahlt werden. Kenntnis der Materie, über die sie schreiben scheint jedenfalls nicht zu den Qualifikationskriterien zu gehören.

Dass das Thema Transport von (schweren) Lasten mit Luftschiffen als beerdigt angesehen wurde, kann nur jemand geglaubt haben, der das Thema nicht verfolgt. Aber bitte, vielleicht sollte jemand schleunigst einen Brief an das Management von Boeing schreiben, dass das hier in Deutschland schon einmal versucht wurde, und deshalb gar nicht gehen kann.

Im Gegensatz zu so manchem deutschen Kommentator dürfte aber gerade Boeing das Thema nicht aus den Augen verloren haben. Wer die Fakten rund um CargoLifter kennt weiß auch, dass Boeing damals, bevor sie im Frühjahr 2002 die Absichtserklärung zur Zusammenarbeit (sog. Letter of Intent) unterzeichneten, das ganze Projekt über Monate mit Einsicht in alle möglichen Unterlagen auf Herz und Nieren geprüft haben. Offensichtlich sind sie zu einem positiven Ergebnis gekommen.
Was dabei immer wieder verwundern kann, ist die Erwartung, die damals und heute geäußert wird, Boeing hätte zu diesem Zeitpunkt in großem Umfang in das Projekt investieren müssen. Es würde mich wirklich interessieren, ob z.B. eine EADS in ein überzeugendes aber eben auch ambitioniertes und zweifelsohne auch noch viel Geld benötigendes luftfahrttechnisches Projekt in den Vereinigten Staaten einsteigen würde, wenn die zuständigen US-Ministerien gerade keinen Zweifel daran aufkommen lassen, dass sie das Projekt fallen lassen wollen oder nicht gewillt sind früher gegebene Zusagen einzuhalten.

Im Gegensatz zu so manchem deutschen Kommentator dürfte aber Boeing auch sehr genau beobachtet haben, was sich zum Thema Leichter-als-Luft Technologie tatsächlich international tut. Boeing ist es sicher nicht entgangen, dass in den vergangenen Jahren das amerikanische Militär Millionen in Forschungsprojekte zum Lasttransport mit LAL gesteckt hat. Es ist ihnen auch nicht entgangen, dass einer der größten nationalen Konkurrenten von Boeing, Lockheed Martin, bereits einen fliegenden Prototypen hat. Sie haben auch ihre Hausaufgaben aus der Entwicklung bei CargoLifter gemacht. Sie steigen nämlich nicht gleich mit der ganz großen Nummer ein, sondern machen das, was auch die neue CargoLifter propagiert: Mit einer Leistungsklasse von 40 Tonnen in Gegenden fehlender Infrastruktur den LKW zu ersetzten, der das Hierzulande erledigen würde.
Wer erst einmal realisiert hat, dass im Norden Kanadas ein Liter Milch nur wegen der Transportkosten heute 13 Canad. Dollar kostet, kann durchaus ermessen, welches Potenzial hier in der Logistik liegt.

Aber was soll’s, es gibt in jedem Jahrhundert (und bei jeder technischen Neuerung) Kommentatoren, für die die Welt flach ist, weil ihr Horizont sie die Rundung nicht sehen lässt.
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Noch jemand ohne?

Beitragvon pestw » Di, 15.07.2008 15:50

Jawoll. 8)
Möchte sich noch irgend ein besserwisserischer Schreiberling im renommierten LTA-Forum ein paar verbale Watsch'n abholen? Geht's nur her...! :twisted:
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Beitragvon k.moestl » Di, 15.07.2008 20:20

Es wird auch sachlich berichtet:

Auf den Spuren Zeppelins
Boeing entwickelt trotz bekannter Probleme ein Fracht-Luftschiff

Jens Flottau

Mit dem Einstieg in neue Geschäftsfelder tun sich Großkonzerne bekanntlich eher schwer. Boeing, das weltweit größte Luftfahrtunternehmen, hat dennoch eines aufgetan- und noch dazu ein besonders ungewöhnliches: Der Flugzeughersteller entwickelt gemeinsam mit der kleinen kanadischen Firma Skyhook International ein Luftschiff.
Der JHL-40 (Jess Heavy Lifter) soll Lasten von bis zu 40 Tonnen Gewicht über eine Entfernung von rund 300 Kilometern befördern. In schwer zugänglichen Gebieten könnten Hochspannungsmasten, Pipelines, Kräne oder ähnlich Unhandliches direkt am Einsatzort abgesetzt werden, egal, ob da eine Straße hinführt oder nicht.
Seit Ende der dreißiger Jahre des vorigen Jahrhunderts, als Flugzeuge die Luftschiffe im Prinzip ablösten, haben sich zahlreiche Tüftler daran versucht, das Konzept wiederzubeleben. In spektakulärer Erinnerung ist die Pleite der Cargolifter AG im Jahr 2002, die ein Fracht-Luftschiff für 160 Tonnen-Lasten entwickeln wollte. Vom so genannten Zeppelin NT baut die Zeppelin Luftschifftechnik gerade das vierte Exemplar in Friedrichshafen. Weltweit sind so genannte Blimps (Luftschiffe ohne Struktur unter der Hülle) als Werbeträger oder für Kameradienst e im Einsatz.
Der Boeing JHL-40 ist halb Luftschiff halb Hubschrauber. Das Eigengewicht und das Gewicht des Treibstoffes sollen durch das Helium, das leichter als Luft ist, getragen werden. Den Auftrieb für die 40-Tonnen-Fracht sollen vier Rotoren, die an den Seiten angebracht sind, verschaffen. Boeing ist für Entwicklung und Bau der zwei Prototypen zuständig, Skyhook hält das Patent und soll das Gerät später auch im Auftrag der Kunden betreiben. 2012 soll der erste JHL-40 zum Einsatz bereit sein. Bisherige Versuche, Lasten-Luftschiffe zu bauen, scheiterten nicht nur am Geld, sie stellten sich oft auch als technisch zu komplex heraus.

Süddeutsche Zeitung, Printausgabe vom 10.07.2008
ZUKUNFT GESTALTEN - NACHHALTIGE INNOVATIONEN FÖRDERN
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Beitragvon pestw » So, 20.07.2008 6:19

hilgenberg hat geschrieben:Ebenfalls Märkische Allgemeine, 10.07.2008

http://www.maerkischeallgemeine.de/cms/ ... 037/63629/

Andreas Streim über die Pläne des US-Konzerns Boeing, ein Lastenluftschiff zu bauen

Hochfliegende Träume

Da steht dann auch noch drunter "Ihre Meinung ist gefragt".
Denkste! Uns erreichte ein nicht veröffentlichter Leserbrief eines ehemaligen CL-Mitarbeiters dazu:

***
Cargolifter ist pleite. Die Idee hat überlebt - in den USA. Boeing und Lockheed und andere Firmen arbeiten an Luftschiffen.

Vor der Insolvenz gab es monatelang negative Meldungen über die Cargolifter Projekte: Lastenluftschiff, Lastballon und Stratosphärenplattform. Sie werden jetzt in den USA realisiert.

Wir haben die Kommentare doch alle noch im Ohr: Wenn was dran wäre an der Idee und der Technologie, würden Konkurrenten an etwas ählichem arbeiten.
Den Cargolifter braucht kein Mensch, schrieb die Presse. Es gäbe keinen Markt. Keine Firma wolle investieren.
Der Stern schrieb vom "Betrugsverdacht bei Cargolifter". In ARD Panorama hieß es, man habe nie vorgehabt, ein Luftschiff zu bauen. Begründung: es könne technisch nicht funktionieren.

Die Kommentatoren lieferten sich ein Wettschreiben: Heiße Luft, hochfliegende Träume, Millionen in den märkischen Sand gesetzt, Bruchlandung des Luftschlosses.

Pete Jess, der jetzt mit Boeing zusammen das Lastenluftschiff verwirklicht, war einer der Käufer des CL 75 Lastballons. Der Verkauf des Lastballons wurde in den Medien und der Politik als Scheingeschäft bezeichnet, die Seriösität der Käufer in Frage gestellt - sie wurden als dubiose Abenteurer bewertet.

Die brandenburgische Landesregierung hat mit Minister Fürniss aktiv an der Abwicklung von Cargolifter mitgewirkt - auch in der Öffentlichkeit.

Die oft zitierten 48 Millionen Euro Fördergelder, zweckgebunden für den Hallenbau, stammten ausschließlich von Fürniss Vorgänger Dreher. Fürniss investierte nur in die Chipfabrik.

Cargolifter ist ein Desaster -aber ganz anders, als bisher bekannt.

Wenn es in Brand statt eines teuren Billiglohn-Spaßbades wenigstens Überlebende und Teile der Infrastruktur des Cargolifter-Konzeptes gäbe, wäre Brandenburg jetzt ein gefragter Zukunftsstandort. Deutschland hätte die Nase vorn bei einer Zukunftstechnologie.

Statt dessen wurde abgewickelt, liquidiert, schlechtgeredet.

***

Warum diese Meinungsäußerung nicht druckreif oder veröffentlichungswürdig sein soll, entzieht sich unserer Kenntnis. Vielleicht weil die "Obrigkeit" angegriffen wurde...
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Re: Nun baut Boeing das Luftschiff

Beitragvon Tass » Mi, 30.09.2009 14:46

Und ein weiterer Presseartikel der Märkischen vom 30.09.2009 hier:

http://www.maerkischeallgemeine.de/cms/ ... -Chef.html

Artikel vom 30.09.2009 hat geschrieben: LUFTVERKEHR: Auch das Boeing-Luftschiff hat Verspätung
Ersteinsatz um zwei Jahre verschoben / Ex-Cargolifter-Chef spricht von verbessertem Konzept
Bild

Skyhook...

POTSDAM - Der US-Luftfahrtkonzern Boeing hält an seinen Lastzeppelin-Plänen fest. Das „Skyhook Heavy Lift Vehicle“ (HLV), das an das gemeinsame Vorhaben mit dem Pleite gegangenen brandenburgischen Unternehmen Cargolifter erinnert, soll aber mit zwei Jahren Verspätung abheben. Statt wie im vergangenen Jahr angekündigt 2012 (MAZ berichtete) soll der erste HLV nun erstmals 2014 Lasten tragen.

Das Unternehmen begründet die Verzögerung des Projekts, das es gemeinsam mit dem kanadischen Unternehmen Skyhook plant, mit den Herausforderungen der gänzlich neuen Technik. „Wir spüren alle, dass wir Teil eines revolutionären Fortschritts dieser außergewöhnlichen Technologie und der Luftfahrtindustrie im Allgemeinen sind“, sagt der Skyhook-Programm-Manager für Boeing, Kenneth Laubsch. Das Grundkonzept für das Luftschiff, das Lasten bis zu 40 Tonnen über Strecken von bis zu 370 Kilometer transportieren können soll, stehe jetzt.

Das Konzept sei etwas verändert worden, sagt der Chef der ehemaligen Cargolifter AG, Carl von Gablenz. Die Ausleger für die vier Rotoren, mit denen das Transportgut hochgehievt werden soll, seien „näher ans Zentrum des Luftschiffs gerückt“. Damit werde die Hebelwirkung verändert. Zudem wurde das Schiff gegenüber dem Erstentwurf auf 125 Meter verlängert, was wahrscheinlich den Auftrieb verbessere. Das jetzige Konzept sei „durchdachter und einleuchtender“, sagte von Gablenz, der derzeit als Aufsichtsrat mit dem Nachfolge-Unternehmen Cargolifter KG nach Vermarktungsmöglichkeiten eines Lastenballons sucht (s. Kasten).

Wenn Boeing bei dem Konzept bleibe, die Lasten mit Rotoren zu heben, sieht von Gablenz derzeit „keine Patentverletzung“. 2008 hatte er nach Bekanntwerden der Skyhook-Pläne angekündigt, die Pläne auf Rechteverletzung hin zu prüfen. Boeing und Cargolifter hatten im Mai 2002 kurz vor der Cargolifter-Pleite noch eine Absichtserklärung über eine Entwicklungs-Kooperation unterzeichnet.

Der Lastzeppelin soll in abgelegenen Regionen wie der Arktis für die Öl-und Gasindustrie eingesetzt werden. Dem kanadischen Unternehmen ist indes im Frühjahr der Gründer, Eigentümer und Chef-Tüftler Pete Jess verlorengegangen. Der Ex-Hubschrauberpilot ist aus dem Unternehmen ausgeschieden. Seither gibt es immer wieder Meldungen über Finanzierungsprobleme für das HLV-Projekt. Zu den Kosten des Lastenluftschiffs haben bislang weder Boeing noch Skyhook Angaben gemacht. (Von Gerald Dietz)



Transport-Ballons für Windradflügel:

Carl von Gablenz gründete nach der Pleite der Cargolifter AG 2005 mit anderen Ex-Aufsichtsräten die CL Cargolifter GmbH & Co. KG auf Aktien. Ziel ist, die „Leichter-als-Luft-Technologie“ für das Heben und Transportieren von Lasten mittels Helium-Luftschiffen oder Ballons weiter zu entwickeln und zu vermarkten. Auch der Bau von Trans-port-Ballons und später vielleicht auch eines großen Luftschiffs ist vorgesehen. Eine Werft hat die Firma nicht. Für Entwicklungen schließt man sich per PC mit Partnern wie Ingenieurbüros zusammen.

Der Windradhersteller Nordex interessiert sich laut von Gablenz für Cargolifter, um mit Hilfe von Last-Ballons im Verbund mit Zug-Lkws Flügel für Windräder auf Berge schaffen zu können. gd
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Re: Nun baut Boeing das Luftschiff

Beitragvon hilgenberg » Do, 15.10.2009 22:02

http://www.calgaryherald.com/entertainm ... story.html

Airships set for Arctic's heavy lifting

Skyhook, Boeing Chart Course North; Dirigibles would carry resource-sector payloads

By Gina Teel, Calgary Herald October 8, 2009

Boeing and SkyHook's JHL-40 airship.Photograph by: Handout photo, Handout photoCALGARY - Using blimps to deliver heavy payloads to remote northern sites has oft been touted as having cost and environmental benefits over traditional means of transportation.

Now a concrete business case can be made for using the SkyHook HLV (heavy lift vehicle) airship in specific applications, such as moving an oil rig, instead of conventional means of transportation, said Boeing Co.'s Kenneth Laubsch, program manager of the Sky-Hook HLV.

"Our goal is 80,000 pounds of lift, or 40,000 U. S. tons (36,000 tonnes), and to be operating in completely austere conditions," Laubsch said of the SkyHook

HLV, an aircraft Boeing has partnered with Calgary's SkyHook International Inc. to bring to market.

Still in the engineering phase, the first SkyHook aircraft is scheduled to fly in 2014. The airship will boast two and a half times the payload of an MI-26 helicopter--currently the world's largest vertical lift aircraft--and burn about 10 per cent less fuel to move that payload, attendees of the fifth annual Airships to the Arctic conference in Calgary heard Thursday.

Using supplier-provided data, the company can create detailed cost comparisons in specific applications of payload, such as pipeline construction, and produce an economic model detailing what it would cost to lease the SkyHook aircraft for the duration of a job.

In the case of an oil rig, for instance, the SkyHook HLV could improve the entire logistics move for an experimental oil rig in an oilfield at significantly less cost than the current $60 million to $100 million they estimated it costs.

"We can actually move that experimental oil rig up to six times in a particular year, so we have the potential, what takes them three to eight years, to finish in one to two years," Laubsch said.

They've done similar calculations for pipeline companies, oil and gas companies, wind turbine companies and manufacturers.

Primary potential customers are oil, gas and mining companies and there's been some interest in civil construction projects, he said, although customers are coming up with new applications for the airship all the time.

Laubsch described the SkyHook airship as a forklift or a tugboat intended to do short-lift heavy haul.

"Basically it is a purpose-driven machine being designed for Arctic operations, whether in Russia, Arctic Ocean or northern Canada," Laubsch said.

Earlier this week, SkyHook announced it had reached a collaborative agreement with Nippon Airship Corp. to commercialize the SkyHook HLV.

At the conference, SkyHook International chief executive Richard Charron said what's needed now is government support to help legitimize and validate the technology, and reinforce that the methodology is the wave of the future.

It's a way to assert sovereignty in the North, he told the Herald.

"If you think about the sovereignty of the North, how are you going to do that? You can't move it by barge, you can't move it by ship, you can't fly it in," Charron said.

"You need some means of supplying to the North and it's really important that the government stand behind this."

Conference attendees also heard from Gordon Taylor, director of sales and marketing for Hybrid Air Vehicles, of the U. K., which has an eye on using its airship to bring equipment to the oilsands.

"We don't see this as a primary role for the vehicle, but we do see it as a significant operational advantage," Taylor said.

---------

Up And Away

The SkyHook HLV (heavy lift vehicle): - A fully loaded SkyHook will have a range of up to 370 kilometres without refuelling; - The SkyHook can be refuelled while in the air; - The airship will boast two and a half times the payload of an MI-26 helicopter --currently the world's largest vertical lift aircraft.

© Copyright (c) The Calgary Herald
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Re: Nun baut Boeing das Luftschiff

Beitragvon Hasseroeder » Mi, 05.05.2010 21:34

Ist doch interessant, daß Cargolifter nicht funktionieren konnte, andere machen es eben:
" http://news.discovery.com/space/airship ... ullet.html "
Habe leider nur die Google Übersetzung gelesen.
:carli: :-sup :-ap
Ich möchte, daß die "CARGOLIFTER KGaA" mit dem neusten Kranballon der Welt, erfolgreich Lasten hebt oder bewegt, und damit also belegt, daß der "CL 160" realisierbar war!!!

http://www.hsb-wr.de/hsb_barrierefrei/webcams/
Hasseroeder
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