Unglaublich: Palmen statt Luftschiffe ???

Hier ist der Platz für Artikel die für alle interessant sein könnten. (ZiB und CargoLifter).

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Beitragvon NorbertB » Mi, 22.09.2004 13:30

Hallo H. Seemann,

jetzt fangen Sie auch an, an der technischen Machbarkeit des Cargolifters herumzunörgeln. Bisher hatte ich eigentlich einen vernünftigeren Eindruck von Ihnen. Schade. Das Experten-Hearing hat doch eindeutig ergeben, dass es keine technischen Showstopper gibt bei diesem Projekt. Das musste sogar H. Mönning zugeben. Und nun wieder die alte Leier mit der Allwettertauglichkeit.

Ich meine, an erster Stelle die Zuverlässigkeit, sprich Allwettertauglichkeit und die war bisher bei keinem Zeppelin gegeben.

Woher nehmen Sie eigentlich die Zuversicht, dass Ihr Kugelschiff so viel besser mit den Widrigkeiten der Atmosphäre umgehen kann?
Immerhin ist der cw-Wert einer Kugel erheblich schlechter, als der eines stromlinienförmigen herkömmlichen Luftschiffs. Das können Sie in jedem Physikbuch nachlesen.
MfG Norbert
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Machbarkeit CL

Beitragvon Wolfgang Seemann » Mi, 22.09.2004 17:02

Hallo Norbert,

dass der Cargolifter machbar ist, bezweifle ich nicht. Aber ob er Sinn macht. Mit den ganzen Designänderungen Richtung größere Abmessungen bei kleinerer Zuladung ist klar, dass die Konzeption aus dem Ruder gelaufen ist. meine Meinung ist einfach, dass die Probleme beim Kugelschiff wegen der Böenunempfindlichkeit und der wesentlich stabileren Form viel geringer sind. Das Geschwindigkeitsproblem ist durch die Öffnungen in der Kugel ( Luftschächte ) gelöst und dynamische Starts und Landungen sind nur mit dem Kugelschiff möglich. Mit der zweischaligen Sandwichbauweise hat es auch noch eine sehr stabile Außenhaut und deshalb auch die bessere Allwettertauglichkeit. Mir geht es nicht um ein paar Schiffe für Rundflüge, sondern um den Aufbau einer neuen Verkehrsinfrastruktur für ganz Europa.
Erfindungen erleichtern das Leben!
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Beitragvon NorbertB » Mi, 22.09.2004 20:09

He, Hallo, das stimmt aber nicht:
Mit den ganzen Designänderungen Richtung größere Abmessungen bei kleinerer Zuladung ist klar, dass die Konzeption aus dem Ruder gelaufen ist.

Die Abmessungen waren von Anfang an l=260m und d=60m und die Zuladung war 160t (daher CL160) und daran wurde nie etwas geändert. Abstriche machte man nur bei Anzahl der Triebwerke (von 16 auf 8 ) und der Reichweite (von 10000km auf 3000km).
Und aus dem Ruder gelaufen ist nicht die Konzeption sondern die Zeit, die man zur Entwicklung brauchte und die Finanzierung. Das hat man ja auch eingesehen und wollte dann zuerst mal den AirCrane zur Serienreife entwickeln um damit Geld zu verdienen. Aber dazu kam es ja aus all den hier schon reichlich diskutierten Gründen nicht mehr.
Und was die Allwettertauglichkeit des Kugelschiffs angeht, will ich mal in Ihrem Sinne hoffen, dass Sie recht behalten.
MfG Norbert
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"Zentren der Ortlosigkeit"

Beitragvon WorstOnTop » Fr, 05.11.2004 19:48

http://www.welt.de/data/2004/11/04/355265.html?s=1

Der Himmel auf Erden
In New York wird es verkauft, in Brandenburg neu erschaffen: Das Paradies

von Uwe Sauerwein

Paul Gauguin, Maternité II (Ausschnitt)
Foto: AP

In New York kommt das Paradies unter den Hammer. Paul Gauguins Gemälde "Maternité (II)" von 1899, das eine Gruppe von Südseefrauen zeigt, will Sotheby's heute für 40 bis 50 Millionen Dollar versteigern. In Briesen-Brand, einem Flecken im Brandenburgischen, wird das Paradies dagegen in den märkischen Sand gesetzt. Colin Au, ein Multimillionär aus Malaysia, sorgt gut 60 Kilometer vor Berlin mit seinen "Tropical Islands" für blühende Landschaften im Osten. In der ehemaligen Cargolifter-Halle entsteht der größte Tropenpark der Welt. Ein Urwald mit Orchideen, eine Salzwasser-Lagune, ein Mangrovenwald, 700 Quadratmeter Sandstrand, Wasserpark und Kulissendörfer sollen Platz finden unter der riesigen Stahl- und Glaskuppel.


Das bislang gewagteste Tourismusprojekt auf deutschem Boden, das wohl im Dezember bezugsfertig wird, ist als Flaggschiff einer künftigen Kette tropischer Ferienziele aus der Retorte geplant. Rund 70 Millionen Euro soll der Garten Eden unter der Käseglocke kosten - also nicht mal doppelt so viel wie die Summe, mit der Sotheby's für Gaugins Paradies auf Leinwand rechnet.


Weit mehr noch als zu Zeiten des französischen Malers, der sein privates Glück auf Tahiti gefunden zu haben glaubte, ist das Paradies heute eine Importware. Die wirtschaftliche Lage läßt Fernziele für viele Menschen unerschwinglich erscheinen. Und das Risiko, das Reisen seit jeher begleitet, hat sich seit dem 11. September 2001 im Bewußtsein verfestigt. Erlebnislandschaften boomen: "Spacepark", "Movieworld" oder "Autostadt" stehen für eine Invasion an Themenparks.


Die Idee, Dschungelwelten in weitaus kühlere Regionen zu verpflanzen, ist nicht neu. Die Potsdamer "Biosphäre" entführt den Besucher in einen Tropenwald inklusive künstlichem Gewitter, im kanadischen Montreal lädt seit 1992 der "Biodome" auf dem früheren Olympia-Gelände zum Spaziergang durch sämtliche Klimazonen und Ökosysteme des amerikanischen Kontinents. Gigantische Illusionen von intakter Natur, für die zumindest teilweise die guten alten Zoos und Botanischen Gärten Pate standen. Das Bestreben, Paradiese aus Menschenhand zu schaffen, reicht weit zurück in die Kulturgeschichte.


"Sie waren nackt und hatten keine Angst voreinander": Was das Buch Genesis über Adam und Eva schreibt, könnte auch in jedem Werbeprospekt für den Strandurlaub stehen. Das Bild, das die Tourismusindustrie seit Jahrzehnten bemüht, ist jene Art Urzustand, jenes Stadium des Wohlbefindens, des Friedens unter den Menschen und mit der Natur, dem wir seit dem biblischen Sündenfall nachtrauern. Die Vertreibung aus dem Garten Eden hat die Menschheit niemals überwunden. Monotheistische Religionen richten ihren Regel-Kanon mit der Verlockung aus, nach dem Tod die Gefilde des Friedens und des Glücks zu erreichen.


Der Himmel ist ein Garten: Das Paradies, von altpersisch-avestisch "pairi daeza" und von griechisch "paradeisos", "umwalltes Gehege", "umfriedeter Garten" gilt als Symbol der Vollkommenheit und Ordnung in der Welt. Daher ist der Garten ein zentrales Motiv der islamischen Kultur, wo üppige Bepflanzungen und phantasievoll gestaltete Brunnen die Innenhöfe der Wohnanlagen bestimmen.


Auch im christlichen Abendland schuf man sich sein Stück Himmel auf Erden. Claude Monets malerischer Garten in Giverny, die großen italienischen Renaissance-Gärten, Gartenbaumeister wie Le Nôtre, Lenné oder Pückler, Wirklichkeit gewordene Phantasien eines Antonio Gaudí oder einer Niki de Saint Phalle: Die verschiedenen historischen Epochen haben unterschiedliche Formen idealisierter Natur hervorgebracht, in denen sich der jeweilige Geist der Zeit spiegelt. Immer jedoch war es nur Ersatz für eine Welt, die es auf Erden nicht gibt. Daher ist es gar nicht so ein großer Schritt von den hängenden Gärten Babylons zu den Wellenbädern der Gegenwart, den königlichen Phantasiewelten Ludwig II. zu den Hotelkathedralen der Wüstenscheichs.


Seit Rousseaus Zivilisationskritik spielt die Insel eine wichtige Rolle von unseren Vorstellungen vom Paradies. Die erotische Komponente, die schon im 18. Jahrhundert die europäische Südseerezeption prägte, hat daran Anteil. Mehr noch aber das Aussteigergefühl - zwei, drei Wochen wenigstens so zu leben wie Tarzan und Jane, wie Robinson Crusoe, der dem Robinson-Club zu seinem Namen verhalf, wie die Protagonisten in "Die blaue Lagune". Wie Menschen also, mit denen man bei genauer Überlegung eigentlich gar nicht tauschen möchte. Denn die Realität der Inselparadiese hält der Phantasie nicht stand.


Auch Gauguin wußte, als er mit seinen Südseebildern den Gemütern zivilisationsmüder Europäer eine Projektionsfläche bot, daß er die Wirklichkeit verklärte. Wer heute tropische Gefilde besucht und ein wenig die Augen offen hält, merkt schnell, daß es dort auch nicht gerade paradiesisch zugeht.


Von jeder Region dieser Welt, von jeder Kultur, wollen wir das beste haben: karibische Lebensfreude, asiatische Höflichkeit, orientalische Gastfreundschaft. Die negativen Seiten lassen sich aber im globalen Zeitalter immer schwerer ausblenden. So schafft sich die Erlebnisgesellschaft künstliche Welten, die politische, wirtschaftliche, nationale, kulturelle und folkloristische Grenzen relativiert. Dadurch wirkt das Ringen um Authentizität in Zentren der Ortlosigkeit wie den "Tropical Islands" besonders bizarr.


Die potemkinschen Hüttendörfer, die unter der Kuppel von Briesen-Brand entstehen, drapieren Malaysia, Thailand, den Amazonas, Afrika und Polynesien in direkter Nachbarschaft. Ohne Konflikte, ohne Armut und Kriminalität, ohne religiösen Fanatismus, ohne Unterdrückung und korrupte Gesetzeshüter, ohne gewaltbereite Separatisten, Umweltzerstörung oder tödliche Epidemien.


Eine scheinbar reale Insel der Seligen. Ob sie uns tatsächlich in den paradiesischen Urzustand zurückversetzt, bleibt fraglich. Dieses Gefühl stellt sich wohl nur in der Phantasie ein, etwa beim Betrachten eines Gauguin-Gemäldes. Oder noch besser, im Schlaf. Nicht zufällig findet man im Internet unter www.paradies.com einen Anbieter von Kissen und Matratzen.


Artikel erschienen am Do, 4. November 2004
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Beitragvon k.moestl » Sa, 06.11.2004 9:07

Danke Dir, WorstOnTop, dass Du diesen Artikel ins Forum gestellt hast. Dieser Kulturkritik kann ich voll zustimmen! Sehr gelungene Analogien und Vergleiche!
Gruß
Klaus
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Thermen in Brandenburg

Beitragvon WorstOnTop » Mo, 13.12.2004 11:32

http://www.rbb-online.de/_/themen/index ... 31813.html

Thermen in Brandenburg: Warme Wohlfühl-Oasen

Das Wasser ist warm in Templin. 36 Grad zeigt das Thermometer an – im Sommer und im Winter. Noch verwunderlicher daran ist: Es kommt von ganz unten, aus einer Quelle tief unter der Erde. Und es macht die Menschen glücklich, die sich am liebsten zur kalten Jahreszeit in dem Thermalbad erholen. Die Mark rettet mit gleich mehreren warmen Wohlfühl-Oasen unzählige Berliner und Brandenburger vor dem Herbst-Blues.

Das Thermalwasser entspringt einer Quelle und kommt aus mehreren tausend Metern Tiefe. Das für sehr gesund befundene Wasser hat eine natürliche Temperatur von mindestens 20 Grad. Mittlerweile konnte man sich auch in Brandenburg dieses Wissen zu Nutze machen.

Moderne Wellness-Oasen wie die Naturtherme im brandenburgischen Templin sind an den Quellen errichtet worden. In Brandenburg gibt es mittlerweile fünf solcher Thermen. Jede ist anders und hat ihren eigenen Reiz. Mit Wasserlandschaften, Saunen, Musik- und Lichtspielen und allen nur denkbaren Service-Angeboten in Sachen Schönheit, Entspannung und Aqua-Fitness bieten sie ein Wohlfühlrundumpaket, eine Art Kurzurlaub für Körper und Geist.

Saarow-Therme: DDR-Schick am Scharmützelsee
Die wohl "älteste" Therme Brandenburgs liegt am Scharmützelsee im Oder-Spree-Gebiet. Die Saarow-Therme hat seit mittlerweile sechs Jahren geöffnet. Von der Thalasso-Therapie bis zum orientalischen Pflegezeremoniell; vom Königlichen Bronzebad bis zu Lulur, dem javanesischen Hochzeitszermoniell bietet die Therme alles, was das gestresste Herz begehrt. Das Herausragende hier ist und bleibt jedoch die Architektur: Der Ort erinnert eher an den Palast der Republik oder anders gesagt an den DDR-Schick vor 30 Jahren als an eine Therme, doch gerade das macht ihren besonderen Charme aus.

Kristalltherme: Märchenlandschaft mit Hamam
Ganz andere Sinne spricht die Kristalltherme in Bad Wilsnack in der Prignitz an. Allein der Name "Karibische Wellenbecken" lässt erahnen, welch Anblick sich dem Besucher bietet. In der andalusischen Märchenlandschaft zwischen Edelsteinen, Marmor und tropischem Urwald können die Gäste in Kneipp- und Mineralbecken untertauchen, ein römisches Dampfbad genießen oder solehaltiges Wasser über die Haut laufen lassen. Ein türkisches Hamam-Bad und die Lichttherapie "Sonne des Orients" liegen auf dem Weg zur Sauna-Welt. Gesundheitsbewusste Besucher entspannen sich im "Mineralforum". Highlight in der Kristalltherme ist die Edelstein-Meditationsgrotte mit Lichtspielen aus fünf Tonnen Kristallen, Amethysten, Rosenquarzen und Achaten.

Steintherme: Entspannung pur
Die Steintherme in Belzig im Süden von Berlin erkennt man schon von weitem: Die Kuppel wurde einem Findling nachempfunden. Auch innen geht es eher steinern zu: Sprungbretter oder Rutschen sucht man vergebens, dafür gibt’s unter anderem einen Warmwasser-Liegepool mit aromatischen Duftzusätzen. Im Licht-Klang-Raum lässt man sich entspannt zu Licht- und Musikinstallationen treiben. Spezialitäten der Therme sind Massagen auf einem heißen Stein oder die indianische La Stone-Massage, bei der Gesichts- und Nackenpartie mit heißen und kalten Steinen behandelt werden.

Templin-Therme: Spaß im Nass mit Popmusik
Die Naturtherme in Templin in der Uckermark wirkt jünger und frecher als die anderen Thermen. Die Besucher kommen weniger hierher, um sich zu erholen oder zu gesunden. Nein, in Templin wollen die Gäste ihren Spaß haben. Eine gigantische Rutsche, Sprudelbäder und Popmusik garantieren dafür. Auch die sieben verschiedenen Saunen lassen keine Langeweile beim Schwitzen aufkommen. Wer Meer will, geht ins Gezeitenbecken. Alle 60 Minuten setzt sich das Wasser in Bewegung und bringt Wellen und Wellentäler hervor, die einen so richtig durchrütteln.

Lausitztherme Wonnemar: Rutschpartie
Die "jüngste" Wohlfühl-Oase wurde erst im Juni 2004 eröffnet: Das Kur- und Erlebnisbad Wonnemar in Bad Liebenwerda (Elbe-Elster). Badelustige können 22 verschiedene Innen- und Außenbecken mit einer Wasserfläche von 1500 Quadratmetern in Anspruch nehmen. Wasserspaß wird groß geschrieben: Verschiedene Rutschen in unterschiedlichsten Längen und Anmutungen sorgen für ausgelassene Stimmung. Gesundheitsbewusste können sich in Therapie- und Bewegungsbecken, im Fitnessbereich und in einer Saunawelt erholen.

Künftig wird der Wettbewerb zwischen den fünf Thermen und elf Spaßbädern noch zunehmen: In Burg im Spreewald ist die Planung für ein Bad weit fortgeschritten. Schon im Oktober dieses Jahres will das "Tropical Island" in der früheren Cargolifter-Halle seine Tore öffnen. Und der Spaß hat kein Ende: Weitere Bäder entstehen in Rheinsberg, Neuruppin und in Potsdam.

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Beitragvon JU » Fr, 17.12.2004 23:18

http://www.taz.de/pt/2004/12/18/a0186.nf/text.ges,1

Tropical Islands: Die Preise ihrer Realität
Die Welten:
- Regenwald mit 500 Pflanzenarten und bis zu 14 Meter hohen Bäumen
- Südsee mit Sandstrand (4.000 m2, entspricht der Größe von vier Olympiaschwimmbecken)
- Balinesische Lagune mit Wasserfall
- Tropisches Dorf mit Originalhäusern und Restaurants
Die Halle:
- Fläche: 66.000 m2 Fläche
- Höhe: 107 m
- Länge: 360 m
- Breite: 210 m
Im gesamten Raum der Halle könnte das Sony-Hochhaus am Potsdamer Platz untergebracht werden.
Die Preise:
Vier-Stunden-Ticket:
Montag bis Freitag:
9-22 Uhr: 15 Euro (ermäßigt 12)
6-9 Uhr: 10 Euro (ermäßigt 8)
22-6 Uhr: 5 Euro
Wochenende:
9-22 Uhr: 20 Euro.
6-9 Uhr: 15 Euro
22-6 Uhr: 10 Euro (Sonntags 5 Euro)
Jede weitere angefangene Stunde: 1 Euro (ermäßigt 0,80 Euro)

Die Kritikpunkte:
- der Kaufpreis der Cargolifter-Halle: Der malaysische Investor zahlte 17,5 Millionen Euro, das Gebäude ist viermal so viel wert.
- die wirtschaftliche Planung: Tropical Islands rechnet mit 2,4 Millionen Besuchern im Jahr. Illusorisch sagen Experten, bei der Lage der Halle - im dünn besiedelten Brandenburg, in der Nähe nur das arme Berlin. Die jährlichen Betriebskosten betragen 30 Millionen Euro.
- der Energieverbrauch: Das Tropenparadies muss 24 Stunden am Tag auf durchschnittlich 25 bis 30 Grad geheizt werden. Das Berliner Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung (IZT) hält daher den riesigen Energiefresser und Wärmestrahler "angesichts unserer Energie- und Klimasituation für absolut unvertretbar". Tropical Islands hat deshalb ein Energiegutachten erstellt, verweigert die Vorlage allerdings selbst einem Expertengremium der Landesregierung. Eine eigene Umweltverträglichkeitsprüfung für den Tropenpark wurde gar nicht erst erstellt - trotz des nahen Biosphärenreservats Spreewald.

taz Nr. 7543 vom 18.12.2004, Seite 17, 69 Zeilen (TAZ-Bericht)
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Beitragvon k.moestl » So, 19.12.2004 14:25

Aus der Samstag-Ausgabe der Süddeutschen Zeitung:

Bora Bora im Spreewald

In Brandenburg öffnet in der ehemaligen Cargolifter-Werft der Südseefreizeitpark Tropical Islands.
Von Marcus Jauer

Brand – Angeblich haben neun von zehn Deutschen noch nie ein tropisches Land bereist. Wenn es nach dem Manager des Tropical Islands geht, müssen sie da jetzt auch nicht mehr hin. Es genügt zukünftig völlig, nach Brandenburg zu fahren.

Da steht im Wald eine riesige Halle. Sie ist 360 Meter lang und 107 Meter hoch. Vor vier Jahren sollten dort Luftschiffe gebaut werden, Cargolifter.

Das Projekt scheiterte, die Halle blieb übrig und in dieser hat der Manager nun einen exotischen Eintopf zusammengerührt. Wer je in die Tropen fährt, wird enttäuscht sein. So wie hier ist es nirgendwo.

Auf einer Fläche von acht Fußballfeldern wurden zwei Seen, ein Wasserfall, ein Hügel, ein Strand und ein Dorf angelegt, verbunden durch feste Wege, Brücken, Treppen. Pflanzen, die zu Hause in Töpfen wachsen, haben hier Auslauf.

Palmen, Farne und haushohe Bäume. Auch wenn sie erst hineinwachsen müssen in die Halle, es ist erst einmal alles da, was man für ein bisschen Dschungel braucht.

Am Samstag wird der Park offiziell eröffnet. Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck kommt. Sein Vorgänger hatte die Luftschiffbauer mit 38 Millionen Euro subventioniert, später wurde die Halle für die Hälfte ihres Wertes an Colin Au, einen malaysischen Kreuzfahrt-Manager und seinen Partner übergeben.

In Brandenburg meint man es richtig ernst mit den blühenden Landschaften. Sollten allerdings nicht täglich mehr als 6600 Besucher kommen und für vier Stunden je nach Uhrzeit zwischen fünf und 20 Euro Eintritt zahlen, dürfte es bald wieder kalt werden im Treibhaus.

Der Park braucht so viel Strom wie eine kleine Stadt. Die Betriebskosten werden auf 30 Millionen Euro geschätzt, dafür ist es in der Halle aber auch konstant 25 Grad warm.

Mäntel sind an der Garderobe abzugeben, geöffnet ist rund um die Uhr. „Warum verreisen, wenn man doch nur in den Urlaub möchte?“ fragt ein Plakat.

Das kann stimmen. Allerdings sollte man da, wo alles falsch, dann auch nichts Echtes erwarten. Holzhäuser aus Kenia neben solchen aus Borneo. Lautsprecher, die wie Steine aussehen sollen.

Eine brasilianische Tanzcombo, die eine deutsche Fahne schwenkt. Eine Südseelagune, die von Tischen und Stühlen umstellt ist. Neben dem Eingang ein Pavillon, in dem es Spreewaldgurken gibt. Aloha O weh!

(SZ vom 18.12.2004)
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Beitragvon Lifter » So, 19.12.2004 20:31

http://www.heise.de/tp/r4/artikel/19/19057/1.html

Brandenburg im Tropenfieber

Stefan Krempl 19.12.2004

Start mit Schönheitsfehlern für das Tropical Island Resort in der märkischen Heide, in das der malaysische Investor Colin Au die Massen mit Superlativen locken will

Die Erwartungen liegen hoch: Seit Tagen ist in den Medien viel zu lesen, zu hören und zu sehen über das "ehrgeizigste Freizeitprojekt Europas" in der größten freitragenden Halle der Welt mit Europas größten Indoor-Schwimmbecken. Die Südsee und der Regenwald sollen gleichzeitig in der ehemaligen CargoLifter-Hülle im brandenburgischen Brand simuliert werden. Ein Ausflug in die künstlichen Tropen mitten im klimatisch kühler gelagerten Mitteleuropa wird nur eine Stunde von Berlin entfernt für Urlaubsstimmung sorgen - hoffen der asiatische Geldgeber und die brandenburgische Landesregierung. Doch das "VIP-Opening" auf der Baustelle warf viele Fragezeichen auf.


Nicht nur afrikanische Gäste hatten bei der feierlichen Eröffnung des Tropical Islands Resort am Samstagnachmittag ihre dicken Winterjacken in der neuen Möchtegern-Südsee gleich angelassen. Auch ein Brandenburger Pärchen probierte die Liegestühle an der "Bali-Lagune" nur mit Wollpulli bekleidet aus: "Zu frisch hier", fröstelten die Geladenen die ersten Stunden etwas vor sich hin, bis die riesigen Kondensatlüftungsanlagen es zum Abend hin doch noch schafften, die 5,5 Millionen Kubikmeter Luft in der 360 Meter langen, 210 Meter breiten und 107 Meter hohen Halle stärker zu erwärmen.

Von den versprochenen 25 Grad Dauertemperatur, die nur in der Nacht leicht auf 23 Grad abfallen soll, spürten die rund 1.500 offiziellen Erstbesucher des neuen "Tropenparadieses" wenig. Überhaupt kamen sie sich eher wie auf einem Richtfest vor als wie auf einer Gala-Einweihung eines 70 Millionen Euro schweren Megaprojekts. Das Eiland ähnelt nach nur acht Monaten Zeit für die Ausgestaltung des Inneren in weiten Bereichen noch einer überaus staubigen Baustelle: Nicht nur die für die Grundstimmung wichtige Klimaanlage läuft noch nicht rund. Generell sind die Außenbereiche der Halle, in denen einmal ein "Paradies-Strand" mit Beach-Volleyballfeldern sowie ein malaysischer Festplatz alias "Event-Center" angesiedelt werden sollen, noch gänzlich eine Betonwüste, die allein durch Bauhütten etwas bunter wird.

Auch mit der Lichtatmosphäre haut es noch nicht hin. Tagsüber verhindert die lichtundurchlässige Membran der CargoLifter-Halle (Innovatives Mammutprojekt oder Luftschloß?), dass die -- im Winter in Brandenburg allerdings seltenen -- Sonnenstrahlen auf die Besucher und die Pflanzen treffen. Carl von Gablenz, der Gründer des 2002 pleite gegangenen Unternehmens, das für das glänzende "Ufo" verantwortlich zeichnet, wollte dort schließlich gigantische Zeppeline bauen und nicht einen Bräunungs- und Badetempel für Unzufriedene mit dem mitteleuropäischen Klima errichten. Die Membran wird gerade zwar Stück für Stück durch eine transparente Teflonfolie ersetzt. Doch just die mit dem Resort bekämpften Außentemperaturen verzögern den Umbau gewaltig, sodass bis zum Frühjahr wohl Kunstlicht vorherrschen wird. Und auch an dem gilt es zu feilen: Noch entfalten die großen Flutlichtanlagen über dem Tropenwald und der Lagune eher den eisigen Charme eines Fußballstadions bei einem Spiel im Winter.

Regenwald in der Trockenzeit


Überhaupt: das "Abenteuer Regenwald" ist zumindest im halbfertigen Zustand eine ziemliche Enttäuschung. Der künstliche Berg im Zentrum der imposanten Örtlichkeit, in dessen Inneren sich die Hightech-Anlage für Lüftung, Wasseraufbereitung und Abwasserklärung nebst den Umkleidekabinen für die Badewilligen befinden, soll laut dem Werbeprospekt mit über 10.000 Pflanzen von 500 verschiedenen Arten "für üppiges Grün" sorgen. Angeblich sind einzelne Bäume auf der Erhebung bis zu 14 Meter hoch. Bewässert wird die Flora nur unterirdisch, denn regnen darf es auf dem Tropical Island natürlich nicht. "Regenwald in der Trockenzeit", lautet das Motto.

Doch bislang hat das Pflanzengelände Ähnlichkeiten mit dem immer kränker werdenden deutschen Wald, denn nicht nur Bambus, sondern auch Bäume ragen kahl und dürr dem immer noch sehr weit weg erscheinenden Hallenhimmel entgegen. Ein paar Orchideen setzen zwar zumindest bereits bunte Akzente. Aber wer tatsächlich eine "Dschungel-Rallye" unternehmen will, muss wohl doch in den Flieger steigen.

Tropendorf entpuppt sich als Fresstempel


Auch das "tropische Dorf", in dem die Macher nach eigenen Angaben viel Wert auf Authentizität gelegt haben, ist nicht etwa mit einem Freikundemuseum zu verwechseln. Dass sich hier Borneo-Langhaus, Amazonas-Hütte und Kenia-Lehmhütten wild und doch verloren wirkend aneinanderreihen, mag für ein postmodernes Freizeitcenter in Ordnung gehen. Wer die Treppen im Thai-Haus hinaufsteigt oder den Bali-Pavillon - der irgendwie Anklänge an den Chinesischen Turm im Münchner Englischen Garten entwickelt - näher inspiziert, kann wenigstens auf fein gearbeitete Schnitzereien oder wundervoll kitschige Altärchen stoßen.


Doch letztlich öffnet das 13,80 Meter hohe Bali-Tor, das den Eingang zum Tropendorf bildet, nicht etwa den Weg zum Götterberg, sondern zum Multikulti-Fresstempel. Denn biegt man um die Ecke, landet man unweigerlich schlicht in einem Schnellrestaurant mit typisch amerikanischen Einschlägen. Dort gibt es zumindest Asia-Food, aber auch den "Insalata Garda Tropicana" für 2,50 Euro sowie die Pizza "Paradiso Italiano". Überhaupt wird der Konsum groß geschrieben im Tropical Islands: "Alles, was Sie bei Tropical Islands sehen, können Sie auch kaufen", heißt es im "Tour Guide" vielleicht etwas voreilig. "Wir nennen Ihnen gern einen Preis".


5,5 Millionen Wasser für die Südsee


Bleiben also die Wasser- und Strandanlagen. Hier locken die Bali-Lagune und die "Südsee". Letztere bedeckt allein 4.000 Quadratmeter mit 5,5 Millionen Litern Lausitzer Wasser. Die Planschbeckenfläche entspricht der Größe von vier Olympiaschwimmbecken. Drum herum schmiegt sich im Innengelände ein etwas kahl wirkender Strand mit Sand aus Sachsen-Anhalt und Liegestühlen vor einer weiten Restaurant-Terrasse. Im Hintergrund zur Außenhülle hin sorgt eine Großleinwand für Stimmung mit blauem Wölkchenhimmel tagsüber und einem orangerotem Sonnenuntergang zum Abend hin. Wer mag, kann sich ein Iglu-Zelt mieten und am Strand übernachten.

Die "Südsee" bildet auch die Kulisse für das Spektakel "Viva Brasil" an jedem Abend, für das die Bezeichnung "Musical" allerdings sehr hoch gegriffen scheint: das Passionsspiel mit Szenen aus der Frühzeit Südamerikas mit Eroberern und Sklaven dürfte so manches Kleinstadt-Theater ähnlich hinbekommen.

Die balinesische Lagune auf der anderen Seite in der Nähe des Eingangsbereichs wird von einem Wasserfall, einer Grotte, diversen Springbrunnen, zwei Whirlpools sowie zwei Rutschen durch das Innere des Tropenbergs mit Disco-Beleuchtung bereichert. Sie ist wohl mit die gelungenste Einrichtung auf dem Tropen-Eiland, hübsch dekoriert mit Affenfiguren und mystischen Masken im Bergdurchstoß. Der Blick hinauf in die Weiten der Stahlkonstruktion hat beim Träumen im badewannenwarmen Wasser durchaus etwas.

Liegestühle statt Spielautomaten


Ob die Bade- und Strandvergnügungen ausreichen, um täglich bis zu 8.000 Besucher in die Lausitzer Einöde etwa 60 Kilometer außerhalb von Berlin zu locken? Bei der Eröffnung herrschte naturgemäß Optimismus vor. Während im Hintergrund die Handwerker noch hämmerten, verglich Colin Au sein vom Tanjong-Konzern mit unterstütztes Machwerk mit Urlaubsorten wie Bali, den Fidschi-Inseln, seiner Heimat Malaysia sowie den großen Vergnügungshotels in Las Vegas. "Unsere Spielautomaten sind die Liegestühle", erklärte er vor dem blauweißen Himmel der "Südsee".

Neben der "Hardware" des Resorts mit seinen "idyllischen Eigenschaften" schwärmte der kleinwüchsige 55-Jährige auch von der "Software" der Anlage, die in der Freundlichkeit und dem Service der - natürlich weitgehend deutschen - Angestellten läge: "Wir haben unseren Mitarbeitern beigebracht zu lächeln", betonte der Touristik-Manager. Noch die nächsten drei Wochen will Au selbst mit Hand anlegen, um das künftige Flagschiff einer ganzen Reihe weiterer künstlicher Tropen-Inseln flott zu bekommen.


Auch Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck zeigte sich trotz der schlechten Erfahrungen mit Großprojekten im märkischen Sand zuversichtlich. Mit der Halle "waren schon vorher große Hoffnungen verbunden", die sich aber leider "leichter als Luft" erwiesen hätten, vergaß er nicht zu erwähnen. Für die Idee "Winter in Wärme" konnte er sich aber erwärmen - zumal während der Eröffnung ein kleiner Schneesturm über Brandenburg hinweg zog: Die Freizeitanlage soll dem SPD-Politiker zum "Highlight" der touristischen Attraktionen Brandenburgs werden. Und nein, das werde natürlich kein "Paradies für Arbeitslose", wie ihn ein Sender schon gefragt habe. Um dem Projekt eine Zukunft zu geben, hat der Insolvenzverwalter der Cargolifter AG, Rolf-Dieter Mönninger, die Halle mitsamt des sie umgebenden Areals eines ehemaligen Militärflughafens mit dem Plazet der Regierung für 17,5 Millionen Euro an Au und Tanjong verkauft.


(K)ein Paradies für Arbeitslose


Das Touri-Projekt ist in der brandenburgischen SPD allerdings nicht unumstritten. So warnt die Landtagsabgeordnete Esther Schröder davor, unverhältnismäßige staatliche Mittel in die "überdimensionierte" Anlage zu stecken. Die ausländischen Investoren haben 13 Millionen Euro Förderung für das Projekt beantragt, die bisher allerdings noch nicht bewilligt sind. Doch schon jetzt fließen laut Schröder "weitere Millionen" in die Erschließung und Umfeldentwicklung des Freizeitparks. Dazu gehörten allein knapp 2,2 Millionen Euro für den Brückenbau am Bahnhof Brand, an dem sich Bund, Land und Deutsche Bahn zu je einem Drittel beteiligen wollen.

Auch Umweltschützer schauen stirnrunzelnd auf den Energieschlucker und Wärmestrahler unweit des Feuchtbiotops Spreewald. Das Berliner Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung (IZT) etwa hält Tropical Islands "angesichts unserer Energie- und Klimasituation für absolut unvertretbar". Das Management der Anlage hat zwar ein Energiegutachten erstellt, verweigert die Vorlage allerdings laut der "taz" selbst einem Expertengremium der Landesregierung. Die jährlichen Betriebskosten betragen 30 Millionen Euro.

Dass die rund um die Uhr geöffnete Anlage 2,4 Millionen Besucher jährlich in ihren Bann zieht, worauf Au seine Berechnungen angelegt hat, glauben auch die wenigsten Beobachter. Mit werktags 15 Euro pro Person für vier Stunden Aufenthaltszeit ist der Eintrittspreis jedenfalls nicht ganz billig. Dafür gibt es zumindest WLAN für das Surfen am Strand kostenlos. Abgerechnet wird übrigens ganz zum Schluss: Die Tropianer sollen das Paradies zunächst unbeschwert von Geldsorgen genießen können. Ihnen wird ein Guthaben von 50 Euro für die Zusatzvergnügungen auf einer Chipkarte beziehungsweise einem mit einem Funkchip bestückten Armband, das gleichzeitig die Schließfächer in den Umkleidekabinen öffnet, zur Verfügung gestellt.
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Beitragvon Lifter » So, 19.12.2004 20:35

http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/brandenburg/405150.html

Unter märkischen Palmen
Jürgen Schwenkenbecher


Brandenburger Illusionen

Sehen so die Tropen aus? An diesem Sonntag eröffnet im brandenburgischen Brand die künstliche Freizeitwelt Tropical Islands - in jener Halle, die ursprünglich für den Bau von riesigen Luftschiffen errichtet worden ist. Die Region hofft auf viele Touristen, Umweltschützer warnen vor ökologischen Problemen.

BRAND. Weihnachten unter Palmen - dem Tagesausflug nach Brand in Brandenburg steht nichts mehr im Wege. Am Sonntag früh um sechs Uhr öffnet das Tropical Islands, Europas ehrgeizigstes Freizeitprojekt. 2,5 Millionen Besucher sollen jährlich das Flair einer künstlichen Südsee-Welt erleben, die es so noch nirgends gibt. 70 Millionen Euro steckten die Investoren, der malaysische Multimillionär Colin Au und der britisch-malaysische Mischkonzern Tanjong, in das Projekt, dessen Lage inmitten von Kiefern fast ebenso exotisch ist wie die Palmenlandschaft selbst.

Das Interesse ist groß. 120 000 Besucher beobachteten seit April die Bauarbeiten, für 400 000 Euro wurden in den letzten Wochen bereits Geschenkgutscheine für die Insel verkauft. Ungeteilt ist die Zustimmung indes nicht.

Zweifel am Energiekonzept

Nicht nur die Grünen-Politikerin Cornelia Behm spricht von der "größten Energieschleuder Brandenburgs". "Es gab nicht einmal eine Umweltverträglichkeitsprüfung", beklagt auch Rolf Kreibich, Vorsitzender des Landesausschusses für Immissionsschutz. "Hier wird ein Projekt verwirklicht, das angesichts unserer Energie- und Klimasituation absolut unvertretbar ist." Vergeblich fordert der Professor Einsicht in das Energiekonzept von Tropical Islands, das nach Schätzungen den Energiebedarf einer Kleinstadt hat.

Kreibich wirft der Regierung vor, Einwände konsequent zu ignorieren. Der Tropenhalle gibt er eine Lebenszeit von zwei Jahren. "Auf keinen Fall darf Tropical Islands mit Fördergeldern subventiert werden", sagt er.

Tatsächlich hat Colin Au entgegen ersten Ankündigungen, keine öffentliche Fördermittel in Anspruch nehmen zu wollen, zu Jahresbeginn doch 13 Millionen Euro Fördermittel beantragt. Überraschend. Denn schon der Bau der 78 Millionen Euro teuren Halle - ein ingenieurtechnisches Meisterwerk - wurde zur Hälfte vom Staat finanziert. Und für das Symbol der gescheiterten Großprojekte, das nun getilgt werden soll, zahlte der Mann aus Malaysia nur 17,5 Millionen Euro. Ein Schnäppchenpreis. Er war der einzige solvente Interessent. Und er kündigte die Schaffung von 500 Arbeitsplätzen an.

Über den Förderantrag ist noch nicht entschieden. Es fehlten noch Unterlagen über das Gesamtkonzept, heißt es in der Landesinvestitionsbank. Denn Au, der Ideengeber, ließ nicht nur die Halle umbauen, er will auch das 500 Hektar große Areal ringsherum gestalten.

Üblicherweise werden Fördermittel bewilligt, wenn das Projekt im Landesinteresse liegt. Das Interesse hat das Land nie in Zweifel gestellt - 70 Millionen Euro werden nicht oft in Brandenburg investiert. Schon jetzt werden den Investoren alle Stolpersteine aus dem Weg geräumt. Noch eine Pleite wie beim vorherigen Hallen-Eigentümer Cargolifter will niemand riskieren. Die Baugenehmigung hatte der Landkreis Dahme-Spreewald in nur drei Monaten erteilt.

Für die Entwicklung der Infrastruktur - die Verkehrsanbindung gilt weiter als größtes Problem - bildete die Landesregierung vor einigen Wochen eine interministerielle Arbeitsgruppe. Ab Januar soll eine Brücke über die Gleise am Bahnhof Brand gebaut werden, wo bislang Schranken mehrmals täglich für lange Staus sorgen. Dort hielt am Freitag erstmals der Regionalexpress RE 2, der stündlich zwischen Berlin und Cottbus verkehrt und künftig Gäste zur Tropenhalle befördern soll. Mit an Bord war Verkehrsminister Frank Szymanski (SPD). Und zur Eröffnungsfeier am Sonnabend wird auch Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) kommen.
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Beitragvon Lifter » So, 19.12.2004 21:03

http://www.tagesspiegel.de/brandenburg/index.asp?gotos=http://archiv.tagesspiegel.de/toolbox-neu.php?ran=on&url=http://archiv.tagesspiegel.de/archiv/20.12.2004/1549198.asp#art

Mit den Tropen noch nicht warm geworden

Am Eröffnungstag war der Andrang im neuen Badeparadies in Brand geringer als erwartet. Das versprochene Klima wurde auch erst am Nachmittag erreicht

Von Claus-Dieter Steyer

Brand - Nicht nur die Polizei hatte am Sonntag einen großen Ansturm auf den neuen Freizeitpark „Tropical Islands“ in Brand erwartet. Auch der malaysische Unternehmer Colin Au hatte für den Eröffnungstag seiner Tropenhalle mit rund 10 000 Besuchern gerechnet. So ließ die Polizei am frühen Morgen auf der Autobahn Berlin-Dresden mehrere Kilometer vor der Ausfahrt Staakow die Geschwindigkeit der Autofahrer drosseln und ein „Stau“-Warnschild aufstellen.

Aber der Verkehr hielt sich im Rahmen; bis Nachmittag lösten 3000 Besucher ihr Ticket für Wasser, Strand und Palmen. Da für die Show „Viva Brasil“ am Abend 1200 Kartenbestellungen vorlagen, rechnete das Management mit einem Tagesbesuch von etwa 6000 Gästen. Dabei hatten sich allein am Sonntag vor einer Woche rund 5000 Menschen die Baustelle angesehen. Da kostete der Eintritt allerdings nur sieben Euro. Gestern waren für einen vierstündigen Aufenthalt 20 Euro zu zahlen, jede weitere Stunde kostet wieder einen Euro.

Auch Jana Salzbach aus Luckau hatte sich die Halle schon in der Bauphase angesehen. „Nun waren wir gespannt, wie es geworden ist. Und ich bin beeindruckt. Das Badeparadies ist sehr gut – man darf nur nicht nach links und rechts schauen.“ In der Tat ist der Umbau noch nicht komplett. Der Sand für das Beachvolleyball-Feld ist noch zu Haufen aufgeschüttet, Baufahrzeuge stehen am Rand.

Immerhin: Wer am Nachmittag die 60 Kilometer südlich Berlins gelegene Halle erreichte, konnte sich tatsächlich an den versprochenen 25 bis 28 Grad Celsius Lufttemperatur erfreuen. Am Vormittag hatten einige Gäste noch über die kühle Luft geklagt, liefen in Jacken durch den tropischen Dschungel. „Der muss noch wachsen und sich erholen“, lautete der häufigste Kommentar auf dem 900 Meter langen Weg durch die Pflanzen: Denn viele von diesen kämpfen noch mit dem Staub aus der Bauphase und dem fehlenden Sonnenlicht. Erst im Laufe der nächsten Wochen soll eine durchsichtige Membran in die Außenwand gehängt werden und mehr natürliches Licht in die Halle lassen.

Der meiste Andrang herrschte erwartungsgemäß an den beiden Badebecken. Am Nachmittag war gut die Hälfte der mehr als 2000 Liegestühle besetzt. Wenn der Eindruck nicht täuschte, entspannten hier überwiegend Menschen aus der näheren Umgebung und aus Sachsen.

„Kokospalmen, warmer Strand, klares Wasser und exotische Klänge – da kann man sich schon weit weg träumen“, sagte Heidrun Walther aus Cottbus, die mit ihrem Mann und den zwei Kindern gekommen war. „Allerdings stören bei dem Traum die kahlen Metallwände“, merkte Ehemann Rainer an. „Man badet irgendwie in einer großen Fabrikhalle. Da funktioniert die Illusion von einer Tropenlandschaft nicht.“

Ähnliches könnte man auch über das Angebot der Essenstände sagen. Es gibt Hähnchenkeulen, Bouletten, Currywurst (2,20 Euro), Kartoffelsalat. Anderswo Spaghetti und Hamburger. Nur eine der vier „Paradies-Küchen“ bietet mit Red Chicken Curry (6,50 Euro) und Sushi halbwegs fremdländische Speisen an – dieser Stand allerdings machte die wenigsten Umsätze. Cocktails kosten um die 7,50 Euro, ein großes Weißbier 2,90 Euro.

Gekleidet in Jeans- Hemd, grüne Hose und Joggingschuhe kümmerte sich „Tropical Islands“-Chef Colin Au gestern persönlich um die Abläufe in der Halle. Er prüfte das Wasser, kontrollierte Toiletten – und beauftragte seine Ingenieure mit der Beseitigung eines nicht eingeplanten Problems: tropfendes Kondenswasser vom kalten Hallendach. Vor Sonntag war der 107 Meter hohe Koloss noch nie auf mehr als 25 Grad Celsius aufgeheizt worden.

Aber Au ließ sich die Stimmung nicht verdrießen. Freundlich lächelnd wie immer erklärte er: „Die Einmaligkeit unserer Halle wird sich noch herumsprechen. Ich mache mir nach dem ersten Tag keine Sorgen über den Erfolg.“
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SPIEGEL online: Besucherzahlen völlig unrealistisch

Beitragvon Lifter » Mo, 20.12.2004 12:39

Am besten gefällt mir der Mönninger alias Brandemord!

Wie kommen die eigentlich darauf, dass die Energiekosten nur 3 Mio Euro betragen?
Mönning hat schon immer von 3 Mios gesprochen, als es nur darum ging, die Halle frostfrei zu halten.
Nun laufen da aber ein paar mehr Verbraucher.
Wenn Au sagt, dass er 1,5 Mio Besucher brauche, um rentabel zu arbeiten, dann wären das bei 15 Euro durchschnittlichem Eintrittsgeld 22,5 Mio Euro jährlich.
Rechnen wir noch großzügig 2,5 Mios Gehälter runter, dann sind es immer noch 20 Mio, die Au zugibt, aber nicht 3 Mios.

P.S. Hier kann man an einer Abstimmung zu TI teilnehmen.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,333609,00.html

TROPENWALD IN BRANDENBURG

"Besucherzahlen völlig unrealistisch"

Die Eröffnung musste schon einmal verschoben werden, kurz vor Weihnachten aber hat es geklappt: Hundert Kilometer südlich von Berlin ist in der früheren CargoLifter-Halle die künstliche Tropenlandschaft eröffnet worden. Kritiker halten die Energiekosten für exzessiv - und zweifeln daran, dass genügend Publikum kommt.

Brand - Die Investoren Colin Au aus Malaysia und der Tanjong-Konzern hoffen nun mitten im Brandenburger Kiefernwald auf jährlich bis zu drei Millionen Kurzurlauber unter den Palmen ihres "Tropical Islands".

Um die Illusion vom schnellen Abstecher ins Südseeparadies entstehen zu lassen, hat Au 10.000 exotische Pflanzen aufstellen lassen. Doch der künstliche Regenwald wirkt in der Mitte der 75.600 Quadratmeter großen und 107 Meter hohen Halle ein wenig verloren.

Sehr dominant sind nach wie vor auch die kahlen, riesigen Wände des Baus. Auf einem geschlungenen Rundweg können die Besucher zwischen den noch von den Bauarbeiten eingestaubten Pflanzen wandeln und sich von Vogelstimmen aus dem Lautsprecher beschallen lassen.

Nachts fünf Euro Eintritt

Bei Wassertemperaturen von 28 Grad lädt eine 4000 Quadratmeter große Lagune mit zwei Wasserfällen zum Schwimmen ein, ein 800 Meter langer Sandstrand umsäumt die Riesen-Badewanne. Die zur Rentabilität nötigen Besucher - täglich müssen mindestens 4000 kommen - will Au aber vor allem mit allabendlichen Musicals anlocken. In den ersten Monaten läuft "Viva Brasil", ein farbenprächtiges und leichtes Spektakel, das auch am Eröffnungsabend gezeigt wurde. Dazu kommt wie in vergleichbaren Parks die "Erlebnisgastronomie" - untergebracht in einem "tropischen Dorf".

Vier Stunden Aufenthalt kosten pro Person unter der Woche 15 Euro, am Wochenende 20 Euro. Dazu kommen die Preise für Essen und Getränke. Günstiger wird es zwischen 22 und 6 Uhr: Dann werden nur fünf Euro Eintritt fällig - und man kann etwa am Sandstrand der Lagune zelten.

Seit CargoLifter-Insolvenzverwalter Rolf-Dieter Mönninger im Sommer 2003 die Halle an die Investoren verkauft hatte, war deren Plan für das Tropenresort umstritten. Kritiker wie der Brandenburger ??? Ralf Christoffers bezweifeln vor allem, dass genügend Gäste kommen. "Ohne Werbekonzept und Kontakte zu großen Touristikunternehmen sind die erwarteten Besucherzahlen völlig unrealistisch", sagte er.

Energie kostet drei Millionen Euro

Au hofft vor allem auf Berliner Publikum sowie auf Gäste aus dem Ausland. "Wir haben 'Tropical Islands' nicht nur für die Brandenburger geschaffen", hatte er in einem Interview mit SPIEGEL ONLINE gesagt. Stattdessen sollen ihm etwa auch die Airlines, die auf dem nahen Flughafen Berlin-Schönefeld landen, Kunden heranbringen.

Auch die Umweltverträglichkeit des Projektes steht in der Kritik. Die Brandenburger Grünen-Bundestagsabgeordnete Cornelia Behm fürchtet einen gigantischen Energieverbrauch für das Beheizen der in Leichtbauweise errichteten Halle. Au sprach von drei Millionen Euro Energiekosten im Jahr.

Bislang hat der "Tropical Islands"-Chef für seine 70-Millionen-Euro-Investition keine staatlichen Subventionen erhalten - nach den schlechten Erfahrungen mit CargoLifter war die Brandenburger Landesregierung vorsichtig geworden. Zunächst hatte Au auch angekündigt, ohne Förderung auskommen zu wollen. Mittlerweile aber hat er 13 Millionen Euro beantragt - entschieden ist noch nicht.

Das Land organisierte immerhin einen zusätzlichen Halt der Regionalbahn aus Berlin in Brand und will am dortigen Bahnhof eine Brücke über die Gleise zur besseren Anbindung bauen lassen. Au hat angekündigt, bis zu 500 Arbeitsplätze zu schaffen. Außerdem plant er den Bau eines Hotels. Etwa 370 Menschen beschäftigt er bereits. "Und in dieser Region brauchen wir jeden Arbeitsplatz", sagte Ministerpräsident Matthias Platzeck.

Sven Kästner, AP
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LR: Kühler Beginn

Beitragvon Lifter » Mo, 20.12.2004 12:44

Selbst die Lausige Rundschau als Haus-und-Hof-Berichterstatter läßt sich zu kritischen Tönen verleiten.


http://www.lr-online.de/nachrichten/laurundschau/tagesthemen/art1065,778311.html


20.12.2004

Kühler Beginn in den Tropen
Besucheransturm bei Tropical Islands blieb zunächst aus / Kritik an Temperaturen


Tropical Islands – die künstlich angelegte Tropenwelt im Spreewald bei Lübben hat seit gestern rund um die Uhr geöffnet. Schwimmbecken mit Sandstränden, Regenwald, Tropendorf und Beach-Sportfelder sind in nur knapp acht Monaten Bauzeit in der ehemaligen CargoLifter-Halle in Brand (Dahme-Spreewald-Kreis) entstanden.

Der Sonntagvormittag ist trübe. Sprühregen und ein paar Schneeflocken machen ihn noch ungemütlicher. Es ist ein Wetter, das den berühmten Hund nicht hinter den Ofen hervorlockt. Auch Tropical Islands mit Palmen, Südsee, Lagune, Strand und exotischen Drinks scheint dafür nicht genügend Kraft zu haben. Die Autobahnen 13 und 15 sind leer. Zwar warnen Schilder Kraftfahrer, die aus Richtung Berlin kommen, vor Staugefahr an der Abfahrt Staakow, doch die ist weit und breit nicht zu bemerken. Auch die Shuttle-Busse, die Ankommende vom altersschwachen Bahnhof in Brand ins Tropenland bringen, sind nur spärlich besetzt. Die ersten 20 Regionalzüge bringen lediglich 16 Besucher aus Richtung Senftenberg, Cottbus, Berlin und Potsdam. Offensichtlich hat sich der Halt in Brand noch nicht herumgesprochen.
Es ist ein besinnlicher aber kühler Beginn in den Lausitzer Tropen. Bis zum Mittag hatten es sich erst gut 1500 Bade- und Schaulustige auf den Liegen und an den Bars gemütlich gemacht. «Vielleicht ist dieser verhaltene Auftakt gar nicht so schlecht, da können wir uns nach und nach auf den Betrieb einstellen» , findet Unternehmenssprecherin Kathrin Schaffner auch Gutes daran, dass der Besucheransturm zunächst ausbleibt. «Viele sparen sich den Besuch bestimmt für die Weihnachtstage auf» , hofft sie. Immerhin hatte Tropical Islands zum Auftakt mit bis zu 10 000 Gästen gerechnet.
Bei denen, die sich schon früh in die Tropen am Rande des kühlen Spreewalds aufgemacht haben, überwiegt trotz mancher Kritik Anerkennung für Ambiente und der Optimismus für die Zukunft. Besonders begeistert ist der achtjährige Ole Kutz aus Wildau-Wentdorf im Dahme-Spreewald-Kreis. Der Knirps gehörte schon in der Bauphase zu den größten Fans des Freizeitparks und hatte es sogar fertig gebracht, bei einem seiner Besuche mit Investor Colin Au zu plauschen. Ganz klar, dass der «Vater der Spreewald-Tropen» Ole am Morgen persönlich begrüßt und ihm eine Urkunde schenkt, die ganz gewiss einen Ehrenplatz im Kinderzimmer des Jungen einnehmen wird. «Das ist toll hier, da muss man gar nicht mehr so lange bis in die Karibik fliegen» , schwärmt der Junge.

Programme sorgen für Abwechslung

«Der Gesamteindruck ist gut» , lobt Petra Huntscha (45) aus Fürstenwalde, die bei einem Frühstück Musik und Tanz auf der Wayang-Bühne im tropischen Dorf genießt. «Schön, dass es verschiedene Programme gibt. Das sorgt für Abwechslung» , sagt sie. Weniger zufrieden ist Petra Huntscha, dass Sohn Daniel zu seinem Brötchen Cappuccino trinken muss, weil am Buffet kein Kakao zu haben ist. Den Achtjährigen stört das weniger, der ist ganz begeistert von den beiden Rutschen, die in mehreren Kurven vom Regenwald hinunter in das Wasser der Lagune führen.
«Die Temperaturen in der Lagune und der Südsee sind angenehm. Die Luft aber ist kalt» , stellt Christian Schreiber (25) aus Potsdam fest, der seit halb zehn bei Tropical Islands ist und fünf bis sechs Stunden bleiben will. «Es ist nicht so warm wie versprochen» fröstelt auch Freundin Steffi Bochow (24).
Über den kühlen Beginn in der überdachten Tropenwelt klagen noch andere Besucher. «Drei bis vier Grad fehlen» , findet Bengt Dölitscher (35) aus dem sächsischen Leißnig. «Es ist eher wie ein Spaziergang an der Nordsee» , drückt er sein Empfinden aus. Nur in Badesachen zu sitzen, wäre auch für Ursula Nickel (62) und Ehemann Volker (63) «zu unangenehm» . Sie geben zu, dass sie das «so nicht erwartet» haben. «Da muss man sich schon noch etwas drüber ziehen» , empfiehlt Ursula Nickel. Volker Nickel ist trotzdem zufrieden. «Wer gern schwimmt, kommt hier auf seine Kosten. Man wird unter Wasser nicht gleich vom Nachbarn getreten.»
Silvia Wolfram (29) und Sascha Bauer (34) aus Nürnberg haben einen «ersten guten Eindruck» . Als sie in der Zeitung von Tropical Islands gelesen hatten, stand ihr Entschluss fest. «Wir fahren zur Eröffnung.» Beide besuchen öfter große Freizeitbäder. In Brand finden sie vor allem die «Preise fair» . Sie beziehen das Lob auf Speisen, Getränke und den Eintritt. Ein Kaffee kostet 1,50 Euro, die Bockwurst 1,80 Euro, ein Spaghetti-Gericht 2,50 Euro. Asiatische Speisen liegen zwischen zwei und sieben Euro. «Und für jede Stunde längeren Aufenthalts einen Euro mehr, das ist in Ordnung» , sagen sie übereinstimmend.

Nicht alles im Wohlfühl-Bereich

Es ist noch nicht alles im Wohlfühl-Bereich bei Tropical Islands, urteilen die ersten Besucher. «Man hätte mit der Eröffnung vielleicht noch etwas warten sollen» , meinen Donata Arndt (47) und Tochter Romina (20) aus Luckenwalde. «Es sieht noch einiges nach Baustelle aus» , begründen sie. «Es gibt ein paar Lücken» , findet auch Liselotte Goltsch (68) aus Berlin. Sie vermisst Uhren in der Halle und Papierkörbe an den Liegen. «Es muss heimeliger werden» , wünscht sich Ursula Nickel. Donata Arndt fehlt «mehr Flair» . Man fühle sich nicht richtig wohl, urteilt sie und fügt hinzu: «Aber bestimmt lernt man aus den Fehlern.»
Colin Au nimmt die Kritiken auf seine freundlich-asiatische Art entgegen. Immer wieder kann man ihn antreffen, wie er selbst Hand anlegt, um Ärgernisse aus der Welt zu räumen. So veranlasst er umgehend, dass das große Tor abgedichtet wird, durch das bis vor wenigen Stunden Baufahrzeuge ein- und ausgefahren sind. Dort zieht es mächtig, hat er erkannt. Er verspricht, dass die angekündigten 25 bis 28 Grad Lufttemperatur bald erreicht sind. Gut fünf Millionen Kubikmeter Raumvolumen wollen erst einmal aufgeheizt sein. Am Nachmittag ist es dann spürbar angenehmer. Inzwischen sind auch mehr Besucher zu Tropical Islands in den Spreewald gekommen. Colin Au lächelt.

Von Wolfgang Swat
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Beitragvon JU » Mi, 22.12.2004 20:02

http://www.spiegel.de/reise/kurztrip/0, ... 64,00.html

BRANDENBURGER TROPENPARK

Kalte Südsee unter Wintersonne

Nach der Eröffnung des tropischen Freizeitparks im brandenburgischen Brand durch Ministerpräsident Platzeck wird fleißig weitergewerkelt: Die Betreiber versprechen echtere Südseetemperaturen und grünere Bäume. Doch die ersten Tage erfüllten ihr Erwartungen an Besucherzahlen bei weitem nicht.


DPA
Cocktails in der blauen Lagune: Tropical-Island-Besucher
Brand - Es war zu kalt, die Palmen ließen ihre Blätter hängen, und statt Sonne hing eine graue Plastikplane über den Köpfen der ersten Besucher des "Tropical Islands" in Brand. 6500 statt der erwarteten 10.000 waren am Sonntag in die Halle des Freizeitparks in der Brandenburger Provinz gekommen, am Montag waren es nur noch 2500 - ab 6000 Besucher täglich soll sich die riesige Anlage rentieren, jährlich müssen es 2,5 Millionen bis 3 Millionen sein.

Bis zum Jahresanfang sollen auf der Südseite der Riesenhalle die ersten beiden der vier undurchsichtigen Bahnen durch eine Klarsichtfolie ersetzt sein, sagte die Sprecherin Kathrin Schaffner. Dann könne die Wintersonne den Bäumen und Pflanzen im Regenwald durch die Folie Licht und Wärme spenden und auch die Badegäste etwas mehr erwärmen. Inzwischen seien aber die geplanten Temperaturen erreicht, sagte die Sprecherin. So sei die Luft jetzt 25 Grad Celsius warm, die Südsee 27 und die Lagune 31 Grad.

Matthias Platzeck hatte seine Wortwahl der Umgebung angepasst, als er am vergangenen Samstag in die winterliche Brandenburger Provinz kam. Zwischen Palmen, Hütten und bauchfrei gekleideten Tänzerinnen sprach der Ministerpräsident sein Grußwort: Möge "die tropische Sonne in Brand niemals untergehen", rief Platzeck in die unvorstellbar riesige Halle der ehemaligen Cargolifter AG.

Das Tourismusprojekt sei eine "große Chance" für das gesamte Land, fuhr Platzeck fort und verwies auf 500 neu entstandene Arbeitsplätze, die der malaysische Unternehmer Colin Au für 70 Millionen Euro im brandenburgischen Niemandsland geschaffen hat, gut 60 Kilometer südöstlich von Berlin, auf 75.000 Quadratmetern zwischen Palmen und tropischen Seen.
JU
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Beitragvon Hasseroeder » Do, 23.12.2004 8:42

Unter:
http://www.manager-magazin.de/life/reis ... 65,00.html
ist zu lesen:

22.12.2004

FERIEN IN BRANDENBURG

"Möge die Tropensonne nie untergehen"

Ausgerechnet in der ausgedienten Industriehalle des Luftschiffbauers Cargolifter sollen erholungsuchende
Großstädter künftig zwischen Palmen und Tänzerinnen "einen Hauch Südsee" verspüren. Das könnte klappen - so
lange sie auf dem Bauch liegen bleiben.

Brand - Matthias Platzeck hatte seine Wortwahl der Umgebung angepasst, als er am vergangenen Samstag in die
winterliche brandenburger Provinz kam. Zwischen Palmen, Hütten und bauchfrei gekleideten Tänzerinnen sprach
der Ministerpräsident sein Grußwort: Möge "die tropische Sonne in Brand niemals untergehen" rief Platzeck in
die unvorstellbar riesige Halle der ehemaligen Cargolifter AG.

Das Tourismus-Projekt sei eine "große Chance" für das
gesamte Land, fuhr Platzeck fort, und verwies auf 500 neu entstandene Arbeitsplätze, die der malaysische
Unternehmer Colin Au für 70 Millionen Euro im
brandenburgischen Niemandsland geschaffen hat, gut 60 Kilometer
südöstlich von Berlin, auf 75 000 Quadratmetern zwischen Palmen und tropischen Seen.

In der 107 Meter hohen Halle wirken selbst Colin Aus Palmen winzig, die im künstlichen Regenwald teilweise
schon wieder ihre Blätter hängen lassen. Aber noch ist ohnehin nicht alles fertig, und Au hat gelobt, die Fehler
der Südseewelt zügig zu beheben. Am Ende soll ein Paradies entstehen, das den echten Traumstränden
der Welt in nichts nachsteht, dass allerdings auf die kleinen echten Details wie Vogelspinnen verzichtet: Stattdessen
sollen lupenreine Sandstrände an warmen Seen den Besuchern einen Strandurlaub wie in ihren schönsten
Urlaubsfantasien bescheren. Das könnte gelingen - solange die Tropenbesucher auf dem Bauch liegen bleiben.
Denn statt eines blauen Himmels spannt sich über ihnen die hellgraue Dach einer Industrieruine.

Am Eröffnungsabend hatten Platzeck und die etwa 2000 übrigen Gäste für solcherlei Müßiggang aber ohnehin
keine Zeit. Sie
nahmen stattdessen die erste brandenburgische Aufführung des Musicals "Viva Brasil" ab, dass in den nächsten
Monaten jeden Abend auf einer Bühne aufgeführt werden soll.

Damit und mit anderen Themenveranstaltungen wollen die Investoren kämpfen die Investoren gegen ihre
große Angst: Das sie als schönes, aber überteuertes iesen-Spaßbad den zweiten Flop auf dem ehemaligen russischen
Militärgelände hinlegen, nachdem der Luftschiffbauer Cargolifter hier zwar eine große Halle, aber nie ein serienreifes
Luftschiff zustande brachte und schließlich in der Insolvenz versank.

Deren Altlasten verwertet der mit Kreuzfahrten groß gewordene Investor Au, und sie sind für ihn Segen und Fluch
zugleich: Er bekam die riesige überdachte Halle zum Spottpreis überlassen und eine kräftige Förderung des
Landes Brandenburg noch dazu. Doch er erbte auch die ungünstige Lage irgendwo zwischen Berlin und Polen
und die für ein warmes Tropenparadies eigentlich viel zu schlecht isolierte Halle. "Die größte Energieschleuder
Brandenburgs" nannte die Grünen-Bundestagsabgeordnete Cornelia Behm das Projekt.

Jährlich 2,5 bis 3 Millionen Besucher braucht das Tropical Island, um Geld zu verdienen. Das hat jedenfalls der Betreiber
Colin Au immer wieder vorgerechnet. Leider kann er bis heute nicht schlüssig belegen, woher die Kunden kommen sollen.
Der erste Besuchertag am Sonntag startete denn auch schlecht: Etwa 6000 statt der erhofften 10.000 fanden sich in
Brandenburg ein.

Aber wenigstens der erste Gast, oder jedenfalls der Gast, den die Tropical-Island-Betreiber als ersten Gast ausgewählt
hatten, konnte sich für den Freizeitpark erwärmen. "Es ist toll hier, wie in der Karibik", sagte der achtjährigen Ole Kutz
während er Teddybär und Urkunde im Arm hielt, die er zuvor von Au bekommen hatte. Viel gesehen hatte er vom
Tropenparadies zu dem Zeitpunkt allerdings noch nicht.

Nun hoffen die Betreiber auf das Weihnachtsgeschäft mit vermögenden Gästen aus Berlin, Dresden oder sonst wo.
Ihren Ankunftszeitpunkt können sie willkürlich festlegen; der Freizeitpark ist jeden Tag im Jahr rund um die
Uhr geöffnet. Nur genug Geld sollten sie mitbringen: Erwachsene zahlen wochentags für 4 Stunden 15, an
Wochenenden 20 Euro; für Kinder von 4 bis 13 Jahren kostet es die Hälfte; für jüngere Kinder ist der Eintritt frei.

Kann und braucht man nicht zu sagen :roll:
Ich möchte, daß die "CARGOLIFTER KGaA" mit dem neusten Kranballon der Welt, erfolgreich Lasten hebt oder bewegt, und damit also belegt, daß der "CL 160" realisierbar war!!!

http://www.hsb-wr.de/hsb_barrierefrei/webcams/
Hasseroeder
CL 160
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