Brand: Betriebsrat unter Palmen unerwünscht

Hier kommt alles rein, was mit dem Standort Brand, aber nicht direkt mit der CargoLifter AG und ihren 100%-igen Töchtern zu tun hat.

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Brand: Betriebsrat unter Palmen unerwünscht

Beitragvon AndyWe » Mo, 25.02.2008 15:50

Lausitzer Rundschau vom 20.02.2008

http://www.lr-online.de/nachrichten/LR-Themen-Tropical-Islands-Brand-Betriebsrat;art1065,1942469

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Brand: Betriebsrat unter Palmen unerwünscht
Von Daniel Preikschat

Brand. Die Belegschaft von Tropical Islands in Brand (Dahme-Spreewald) ist auf bestem Wege, sich einen Betriebsrat zu erstreiten. Nächste Woche wählen die rund 500 Mitarbeiter eine elfköpfige Arbeitnehmervertretung. Die Geschäftsführung hatte versucht, die Wahl des Wahlvorstands vor Gericht anzufechten (die RUNDSCHAU berichtete). Jetzt scheint sie sich mit einen Betriebsrat abzufinden.

Von einem guten Klima soll im Tropical-Islands-Dom bald nicht mehr nur mit Blick auf das Thermometer die Rede sein können. «Man sieht die Leute wieder lächeln. Sie gehen gern zur Arbeit» , sagt Ingolf Fechner von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). Der Cottbuser Gewerkschaftssekretär glaubt auch zu wissen, woran das liegt: Am 27. Februar werden sich die 500 Mitarbeiter einen Betriebsrat wählen, der im Streitfall ihre Rechte vertritt und für ein besseres Arbeitsklima sorgen soll.

Auf zwei Wählerlisten mit jeweils elf Leuten werden den Kollegen Kandidaten für den Betriebsrat zur Wahl gestellt, bestätigt Michael Pirsch, der im Sauna-Bereich arbeitet und den seine Kollegen im Dezember zum Vorsitzenden eines Wahlvorstands bestimmt haben. Unterstützunterschriften, so Pirsch, lägen mehr vor, als erforderlich sind. «Die Resonanz ist sehr groß. Fast alle im Dom wollen den Betriebsrat.»



Vor Gericht erfolgreich

Ob ihn auch die Geschäftsführung von Tropical Islands will, erscheint indes fraglich. Als im Dezember die Hälfte der Belegschaft einen Wahlvorstand mit neun Mitgliedern wählte, reagierte die Chefetage sofort. Der Tropical-Islands-Anwalt stellte beim Arbeitsgericht in Cottbus den Antrag auf eine einstweilige Verfügung: Die Wahl sei nicht korrekt gelaufen und müsse für nichtig erklärt werden. Im Januar kam es zur Verhandlung. Die NGG stellte dem Wahlvorstandsvorsitzenden Michael Pirsch einen Anwalt zur Seite – mit Erfolg. Die Richterin konnte den Hinweisen von Arbeitgeberseite auf angebliche Rechtsverstöße bei der Wahl nicht folgen.

Tropical-Islands-Sprecher Patrick Kastner streitet ab, dass die Geschäftsführung den Betriebsrat verhindern wollte. Den Weg vor Gericht habe das Unternehmen nur aus «Fürsorge» für seine Mitarbeiter beschritten. Von denen nämlich seien nach der Abstimmung über den Wahlvorstand im Dezember mehrere zur Geschäftsführung gekommen. «Sie waren irritiert» , so Kastner. Denn von der Unternehmensspitze favorisiert und betriebsintern beworben war kein Betriebsrat, sondern ein Belegschaftsausschuss. «Es gab bereits Workshops in unseren Abteilungen» , sagt Kastner. Aus der Gas tronomie, der Pflanzenpflege, dem Saunabereich und so weiter sollte je ein Vertreter in den Ausschuss entsandt werden, um das Mitspracherecht der Arbeitnehmer zu wahren.
«Für ein europaweit einzigartiges Start-up-Unternehmen in der Gas tronomie ist so ein Ausschuss die maßgeschneiderte Arbeitnehmervertretung» , erklärt Kastner.

Doch was die Geschäftsführung für sinnvoll hielt, war von der Mehrzahl der Arbeitnehmer offensichtlich nicht gewollt. Für Gewerkschafter Ingolf Fechner wenig verwunderlich: «Im Streitfall hat ein Belegschaftsausschuss doch gar keine Rechte. Er kann kein Arbeitsgericht und keine Schlichterstelle anrufen. Er kann auch keine verbindlichen Absprachen mit der Geschäftsführung treffen.» All das kann ein Betriebsrat. Dies habe Fechner Mitarbeitern von Tropical Islands auch so erklärt, als sie bei ihm Beratung gesucht haben.

Belegschaftsausschuss abgelehnt

«Wir wollten keinen Belegschaftsausschuss» , bestätigt der Wahlvorstandsvorsitzende Michael Pirsch, der sich auch als Betriebsrat anbieten wird. Die Geschäftsführung hätte, so vermutet er, nur ausgesuchte Mitarbeiter zugelassen. Und die hätten sicher nicht die Probleme angesprochen, die derzeit das Arbeitsklima im Freizeitparadies belasten. Pirsch spricht von Unterbesetzung und Überstunden, außerdem von der Willkür einiger Chefs in den einzelnen Abteilungen.
Hinzu kämen die neuen Arbeitsverträge, so Pirsch weiter. Wie Tropical-Islands-Sprecher Kastner der RUNDSCHAU bestätigt, verdiene ein Kellner statt 1100 Euro brutto monatlich mittlerweile nur noch 800 Euro. «Dafür bekommt er eine Provision, mit der er am Ende sogar mehr verdient. Niemand fällt unter 1100 Euro.» Warum dann die Konditionen überhaupt geändert wurden? Aus Sicht von NGG-Mann Fechner werde mit solchen Verträgen das unternehmerische Risiko auf die Arbeitnehmer abgewälzt. «Das hätte ein Betriebsrat nie zugelassen.»

Dabei ist das vergangene Jahr für Tropical Islands gut gelaufen. Zwar gibt das Unternehmen darüber offiziell keine Auskünfte und verweist auf den Geschäftsbericht 2007 des Mutterkonzerns Tanjong, der noch nicht vorliegt. Doch im Vorwort der neuen Ausgabe des Mitarbeitermagazins «Jungle Fever» teilt Geschäftsführer Ole Bested Hensing mit: «2007 war ein gutes Jahr. Wir konnten unsere Umsatzerlöse um 40 Prozent steigern und gleichzeitig die Kosten in vielen Bereichen weiter reduzieren.»
Tropical Islands sei auch 2008 «auf erhebliche finanzielle Unterstützung» des malaysischen Eigentümers angewiesen. Dennoch stellt Hensing für dieses Jahr 200 000 Euro mehr für die niedrigen Lohngruppen in Aussicht.

Wahl unter Aufsicht des Anwalts

Trotz des Erfolgs vor Gericht und der Tropical-Islands-Beteuerung einen Betriebsrat zu akzeptieren – Wahlvorstandsvorsitzender Michael Pirsch und Gewerkschaftssekretär Ingolf Fechner sehen sich noch nicht am Ziel. Die Geschäftsführung hatte ihren Anwalt schon bei der Wahlvorstandswahl als Beobachter dabei. Das, so Fechner, werde bei der Betriebsratswahl nicht anders sein.


Noch kein Investor für Ferienhaussiedlung
Nach Angaben von Thomas Heinrich, Projektmanager bei Europas größtem Ferienhausanbieter Novasol, gibt es für die geplante Ferienhaussiedlung nahe Tropical Islands (die RUNDSCHAU berichtete) noch keinen Investor. Novasol selbst sei zwar mit Tropical Islands im Gespräch, würde aber lediglich Marketing und Vertrieb der Ferienhäuser übernehmen, so Heinrich. Bau und Betrieb der Häuser – die Rede ist von bis zu 14 000 Betten – müsste ein dritter Partner übernehmen, der noch nicht gefunden sei.
Heinrich hat das Interesse von Novasol an einem Engagement erneut bekräftigt. Das Tropenparadies sei in dieser Dimension einzigartig und biete ein überzeugendes Preis-Leistungsverhältnis . Der Novasol-Projektmanager lobt außerdem das Einzugsgebiet mit der Nähe zu Berlin und Polen sowie die Alternativangebote für naturverbundene Touristen in der Umgebung.
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Zuletzt geändert von AndyWe am Fr, 07.03.2008 10:08, insgesamt 1-mal geändert.
Die Krise kann ein produktiver Zustand sein. Man muss ihr nur den Beigeschmack der Katastrophe nehmen. Max Frisch
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Beitragvon Hasseroeder » Fr, 07.03.2008 0:21

unter:
http://www.lr-online.de/nachrichten/LR- ... 65,1952741

vom 29.02.08 ist unter der Überschrift :

Belegschaft bei Tropical Islands steht hinter Betriebsrat

zu lesen:

" Vier von fünf Beschäftigten in Europas größter tropischer Urlaubswelt Tropical Islands in Brand (Dahme-Spreewald) sind am Mittwoch an die Wahlurne getreten. Vier von fünf Beschäftigten in Europas größter tropischer Urlaubswelt Tropical Islands in Brand (Dahme-Spreewald) sind am Mittwoch an die Wahlurne getreten. 80 Prozent Beteiligung bei der Wahl eines Betriebsrats spreche eine deutliche Sprache, freut sich Ines Bahrow von der Gewerkschaft Verdi: «Das fundamentiert den Wunsch der Arbeitnehmer, dass es hier im Betrieb mit 500 Mitarbeitern eine Arbeitnehmervertretung geben soll.Vier von fünf Beschäftigten in Europas größter tropischer Urlaubswelt Tropical Islands in Brand (Dahme-Spreewald) sind am Mittwoch an die Wahlurne getreten. 80 Prozent Beteiligung bei der Wahl eines Betriebsrats spreche eine deutliche Sprache, freut sich Ines Bahrow von der Gewerkschaft Verdi: «Das fundamentiert den Wunsch der Arbeitnehmer, dass es hier im Betrieb mit 500 Mitarbeitern eine Arbeitnehmervertretung geben soll.»80 Prozent Beteiligung bei der Wahl eines Betriebsrats spreche eine deutliche Sprache, freut sich Ines Bahrow von der Gewerkschaft Verdi: «Das fundamentiert den Wunsch der Arbeitnehmer, dass es hier im Betrieb mit 500 Mitarbeitern eine Arbeitnehmervertretung geben soll."
Ich möchte, daß die "CARGOLIFTER KGaA" mit dem neusten Kranballon der Welt, erfolgreich Lasten hebt oder bewegt, und damit also belegt, daß der "CL 160" realisierbar war!!!

http://www.hsb-wr.de/hsb_barrierefrei/webcams/
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