Der Insolvenzverwalter und die Fördermillionen

Hier kommt alles rein, was mit dem Standort Brand, aber nicht direkt mit der CargoLifter AG und ihren 100%-igen Töchtern zu tun hat.

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Der Insolvenzverwalter und die Fördermillionen

Beitragvon hilgenberg » Fr, 13.01.2006 21:46

Man beachte das Ganze vor dem Hintergrund des letzten Absatzes!!

Quelle: Die Webseite der Kanzlei Mönning & Georg

http://www.moenning-georg.de/index1.htm

Fördermittel für Tropical Island bewilligt 13/12/05
Der Förderausschuß des Landes Brandenburg bewilligte nach monatelanger Prüfung Fördermittel in Höhe von € 15 Mio.. Der in der größten freitragenden Halle der Welt in Brand (Dahme-Spreewald) vor den Toren Berlins beheimatete Tropenpark wurde in der ehemaligen CargoLifter Halle errichtet. Wo die Vision vom Bau großer Lastluftschiffe 2002 in einem spektakulären Insolvenzverfahren endete, wachsen heute in einer weltweit einmaligen Badelandschaft Palmen und andere tropische Pflanzen und bieten dem Besucher den mit Showeinlagen und asiatischer Gastronomie begleiteten Flair eines Tropenaufenthaltes im märkischen Sand. Eine Tochtergesellschaft des malaysischen Mischkonzerns Tangjong PLC erwarb die Halle und das umliegende Gelände eines ehemaligen sowjetischen Militärstützpunkts 2004 von Rechtsanwalt Prof. Dr. Rolf-Dieter Mönning als Insolvenzverwalter der CargoLifter AG, nachdem alle Bemühungen um die Erhaltung oder Wiederbelebung der ursprünglich geplanten Luftschiffproduktion mangels industrieller Unterstützung gescheitert waren.
In Rekordzeit gelang es den Asiaten, die Halle in eine hochwertige tropische Badelandschaft umzubauen und noch vor Weihnachten 2004 zu eröffnen. Tropical Island erwartet, daß bereits in den nächsten Tagen die Grenze von 1 Mio. Besucher seit Eröffnung überschritten wird.
Die Entscheidung des Förderausschusses war und ist umstritten. Angesichts einer Reihe von Investitionsruinen reagieren Politik und Öffentlichkeit in Brandenburg besonders sensibel auf Förderentscheidungen. Überschattet wird die Entscheidung zudem durch einen aktuellen Korruptionsverdacht und staatsanwaltschaftliche Ermittlungsverfahren im Zusammenhang mit früheren Förderprojekten. Auch Kirchtumspolitik spielt in Brandenburg mitunter eine Rolle. So versuchte die Stadt Potsdam ein für die Zukunft geplantes Spaßbadprojekt, für das man den brasilianischen Stararchitekten Oscar Niemeyer gewinnen konnte, anstelle von Tropical Island durch das Land Brandenburg fördern zu lassen.
Tropical Island beschäftigt in der ehemaligen Luftschiffhalle heute über 500 Mitarbeiter. Die Gewinnzone soll 2007 erreicht werden. Die Fördermittel sollen eingesetzt werden, die Infrastruktur des riesigen ehemaligen Flughafengeländes internationalen Maßstäben entsprechend auszubauen, um die Attraktivität der Einrichtung zu erhöhen.
Mitten in einer aufgeregten Diskussion, in der Teile der Öffentlichkeit und auch der Politik nicht mehr zwischen Bilanzverlusten und Betriebsverlusten unterscheiden konnten oder mochten, um Argumente gegen die von der Landesregierung frühzeitig in Aussicht gestellte Förderung zu erhalten, bewies sich das von Ulrich Junghanns (CDU) geführte Wirtschaftsministerium als verläßlicher Partner der asiatischen Investoren.
Die Förderentscheidung ist an Auflagen gebunden, die insbesondere den börsennotierten Mutterkonzern Tangjong PLC betreffen, von dem erwartet wird, daß er zumindest im Förderzeitraum für die deutsche Tochtergesellschaft Tropical Island einsteht.
Das Förderverfahren wurde im öffentlich-rechtlichen Bereich von Herrn Rechtsanwalt Claus-Dieter Härchen (Mönning & Georg, Aachen) begleitet.
Das größte Vergnügen im Leben besteht darin, Dinge zu tun, die man nach
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Beitragvon hilgenberg » Fr, 13.01.2006 21:57

Es ist schon wirklich manchmal spannend da zuzusehen. Manchmal wünschte ich, ich wäre nicht selber emotional und in gewissem Sinne ja auch immer noch wirtschaftlich beteiligt. Dann könnte ich mich zurücklegen und das Ganze amüsiert beobachten.

Man muss sich das mal auf der Zunge zergehen lassen.

Der gerade unter Korruptionsverdacht stehende Ex-Wirtschaftsminister Fürniß (CDU) verschafft dem Insolvenzverwalter Mönning die Position als starker Insolvenzverwalter, die er heute hat. Dieser erfüllt pflichtschuldigst die Politik seines Gönners: zerlegt, filetiert, verleumdet und erfüllt seine eigene Prophezeiung, dass das alles nichts werden konnte. Er verdient sich selbst und sein Netzwerk dumm und dusselig, mit sinnlosen Prozessen, Gutachten und Gebühren. Er findet tatsächlich einen Käufer für die Halle, wobei er den Entscheidern im Gläubigerausschuß und damit der Politik den Verkauf unter Wert damit schmackhaft macht, dass die Halle nur noch zum Abriss tauge und dass der Investor keine öffentliche Förderung benötigt und auch nicht haben will. Als der Deal unter Dach und Fach ist, sich die örtlichen Behörden verbogen haben bis kurz vorm zerreißen, weil sie die Genehmigungen für TI gegen geltendes Recht durchpauken müssen, schlägt Mönning selbst TI vor doch Fördermittel zu beantragen. Steht ja schließlich jedem zu.
Das Wirtschaftsministeriums unter Junghanss (auch CDU), dürfte mittlerweile auch schon gemerkt haben, das die optimistischen Prognosen des Herrn Au dann doch nicht so aufgehen. Nun ist es zwar sicherlich noch lange nicht so, das TI schon in ernsthafte Insolvenzgefahr geraten würde, solange der Mutterkonzern Tanjong am Projekt festhält. Allerdings kann man wohl davon ausgehen, das es die Asiaten auch gar nicht soweit kommen lassen würden. Mangels emotionaler und sozialer Bindung an das ferne Brandenburg würde der Laden dicht gemacht, bevor Tanjong eine Schmerzgrenze erreicht. Und dann würde der Brand wieder dem Wirschaftsminister(ium) den Hintern verbrennen, und die Gefahr bestünde, dass aus der Asche noch ein paar alte Sünden an CargoLifter ausgegraben werden. Dann doch lieber in vorauseilender Schadensbegrenzung die Palmen, die als Grassersatz über die ganze Geschichte wachsen sollen noch mal ordentlich düngen, indem man dem Investor über Fördermittel an anderer Stelle quasi den Kaufpreis der Halle zurückerstattet und damit seine Wirtschaftlichkeitsberechnungen ordentliche aufpoliert. Die gern hervorgekehrten Auflagen an Tanjong dürften kaum deutlich über das hinaus gehen, was andere Fördermittelempfänger auch zu gewährleisten haben, und können bestenfalls sicherstellen, dass der Teppich TI, unter den CargoLifter gekehrt worden ist, noch ein bisschen länger liegen bleibt, als ihn Tanjong möglicherweise von selbst liegen lassen würde.

Und wer verdient wieder an dem ganzen Spiel? Die Kanzlei Mönning & Georg.
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