Es gibt auch tüchtige Insolvenzverwalter

Alles zum Thema Insolvenzrecht und Insolvenzverwalter allgemein (nicht speziell das CargoLifter-Verfahren)

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Es gibt auch tüchtige Insolvenzverwalter

Beitragvon pestw » Mi, 31.03.2004 20:17

Ich mach jetzt mal einen eigenen Thread auf mit Beispielen, wie es auch anders sein kann. Es gibt auch engagierte, fähige und erfolgreiche Insolvenzverwalter. Erfolgreich im Sinne der Ziele des Insolvenzrechts. :idea:
Bild :zib Initiative Zukunft in Brand - Wir verleihen CargoLifter Auftrieb!
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Beitragvon pestw » Mi, 31.03.2004 20:20

http://www.rbb-online.de/_/nachrichten/ ... 03546.html

Herlitz-Sanierung
Herlitz-Insolvenzverwalter zieht sich zurück

Beim Berliner Papier- und Schreibwarenkonzern Herlitz zieht sich der Insolvenzverwalter nach zwei Jahren Sanierung zurück.

Sämtliche Kreditverträge seien kürzlich von den Banken um den üblichen Turnus verlängert worden, sagte Anwalt Peter Leonhardt am Mittwoch zum Ende seiner Überwachungspflicht für den Insolvenzplan. Er rechne damit, dass der Konzern mit etwa 3000 Beschäftigten seine Stellung am Markt festigen und unter dem Strich in die Gewinnzone zurückkehren könne.

Nähere Angaben machte er mit Verweis auf die im April geplante Bilanzpressekonferenz nicht. Herlitz sei ein Modell für eine gelungene Sanierung in der Insolvenz, sagte Leonhardt.

Der Konzern hatte im April 2002 Insolvenz anmelden müssen, konnte aber nach fünfmonatigem Verfahren durch erhebliche Forderungsverzichte der Gläubiger gerettet werden. Die neun Hausbanken halten als Folge davon 67 Prozent der Herlitz- Anteile. Durch riskante Expansionen Mitte der neunziger Jahre war das Unternehmen in Schieflage geraten und hatte Verbindlichkeiten von 300 Millionen Euro angehäuft.

Stand: 31.03.2004 15:15
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Beitragvon LifterBastian » Do, 01.04.2004 13:01

Davon habe ich auch schon gehört. Es ist nur schade das es solche Insolvenzverwalter immer weniger gibt und die meisten Unternehmen für immer vom Markt durch mehr oder weniger unfähige Infolvenzverwalter verschwinden. Allerdings weiß ich nicht ob Mönning einfach nur unfähig ist - CargoLifter zuretten oder ob da noch andere Hintergedanken eine Rolle spielen.
Gruß
Sebastian
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unfähig oder unwillig? (Oder beides?)

Beitragvon pestw » Do, 01.04.2004 14:55

LifterBastian hat geschrieben:Allerdings weiß ich nicht ob Mönning einfach nur unfähig ist - CargoLifter zuretten oder ob da noch andere Hintergedanken eine Rolle spielen.
Das wird burks schon herausfinden. :idea:
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Insolvenzverwalter Gerhard Walter rettet AeroLloyd

Beitragvon pestw » Do, 01.04.2004 15:48

Aus http://www.widema.de/presse/pressearchi ... dkann.html

23.10.03 Insolvenzverwalter: Aero Lloyd kann ...

Insolvenzverwalter: Aero Lloyd kann wieder fliegen

Frankfurt/Main/München (dpa) - Der insolvente Ferienflieger Aero Lloyd kann neu starten. Die Bayerische Landesbank als Haupteigner stellte am Mittwoch fünf Millionen Euro für den Weiterbetrieb zur Verfügung. Die ersten Maschinen könnten voraussichtlich an diesem Wochenende wieder abheben, sagte der vorläufige Insolvenzverwalter Gerhard Walter nach einer Betriebsversammlung in Frankfurt.

Damit sei eine sofortige Zerschlagung der Aero Lloyd verhindert worden. "Es geht erst einmal weiter", sagte Walter. Jetzt könne in Ruhe nach einem Investor gesucht werden. Nach Angaben von Walter gibt es ein großes Interesse aus dem In- und Ausland, bei der zu 66 Prozent der Bayerischen Landesbank gehörenden Fluggesellschaft einzusteigen. "Es gibt mehrere hochinteressante Gespräche." Allerdings gehe er davon aus, dass auch bei einer Fortführung der Firma mehr als die Hälfte der rund 1400 Beschäftigten ihren Arbeitsplatz verlieren werden.

Mit der jetzt bewilligten Finanzhilfe sei die Bank seiner Bitte nachgekommen, sagte Walter, der sich bereits als Insolvenzverwalter bei der spektakulären Pleite des Bauunternehmers Jürgen Schneider einen Namen gemacht hatte. Bedingungen seien an die Hilfe nicht geknüpft. Die BayernLB erklärte, sie habe die Finanzhilfe auch im Interesse der Mitarbeiter der Aero Lloyd bewilligt. Es sei "ein Beitrag zur begrenzten Fortführung des Flugbetriebs auf deutlich reduzierter Basis".

"Das ist der Start in eine mögliche neue Perspektive", sagte Aero- Lloyd-Sprecher Asger Schubert. "Aero Lloyd wird wieder fliegen." Das Unternehmen mit Sitz in Oberursel bei Frankfurt hatte vergangenen Donnerstag Insolvenz angemeldet, nachdem die Landesbank kein Geld mehr geben wollte.

(...)
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Beitragvon LifterBastian » Sa, 26.06.2004 14:06

Hab bei Google mal ein bisschen rumgestöbert.
Dabei hab ich eine Liste aller insolvent gegangenen börsennotierter Unternehmen gefunden:

http://mitglied.lycos.de/Gerri3/steffen ... pleite.htm

Und hier findet sich CargoLifter:
http://mitglied.lycos.de/Gerri3/steffen ... 2/2002.htm
Gruß
Sebastian
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So stelle ich mir einen tüchtigen Insolvenzverwalter vor

Beitragvon pestw » Mi, 19.04.2006 9:51

http://www.ra-amend.de/downloads/FAZ_Artikel_100406.pdf

10.04.2006
„Wir wollen die Sanierung vor der Insolvenz"
Mit Angelika Amend, Insolvenzverwalterin und Inhaberin der Amend-Unternehmensgruppe, sprach Georg Giersberg

FRANKFURT, 9. April. Angelika Amend betreut 150 Unternehmen, „und zwar ohne den Kleinkram", wie sie hinzufügt. Unter Kleinkram versteht sie vor allem Verbraucherinsolvenzen. Frau Amend ist Insolvenzverwalterin - und Unternehmerin. Jedenfalls versteht sie sich so. Sie will mehr sein als eine Vollstreckerin des Rechts. Sie habe schon in ihrer Ausbildung begonnen, zweigleisig zu fahren. Sie habe im Nebenfach Betriebswirtschaftslehre studiert und parallel zum Studium in Banken gearbeitet. Normalerweise lerne man das Unternehmerische als Jurist nicht. In der Ausbildung werde man nur auf die hoheitlichen Aufgaben des Staatsanwalts und Richters vorbereitet. Dabei sei man als selbständiger Anwalt schon einmal per se Unternehmer in eigener Sache.

Früher blieb es oft dabei. Anwälte waren Einzelkämpfer. Das traf auch auf Insolvenzverwalter zu, die damals noch Vergleichs- und Konkursverwalter hießen. So war das auch bei ihrem Meister, dem Frankfurter Konkursverwalter Wilhelm Schaaf, der vor allem durch sein Engagement für die AEG bekannt wurde. „Bei ihm habe ich viel gelernt", gesteht Frau Amend. Dazu gehöre die Ruhe, mit der er an seine Fälle heranging, „und seine Methode, die Insolvenz mit den Mitarbeitern im betroffenen Unternehmen abzuwickeln". Die von vielen Anwälten bevorzugte Vorgehensweise, mit Unabhängigen die Geschicke des Unternehmens zu übernehmen, verzichte auf wichtiges Wissen, das im Unternehmen stecke. Es komme fast zwangsläufig zu Parallelorganisationen mit entsprechender Doppelarbeit und Kapazitätsverschwendung. Die meisten Fehler mache, wer seine eigene Bürostruktur dem insolventen Unternehmen überstülpen wolle.

Man müsse die eigene Organisation mit der des zu sanierenden Unternehmens verzahnen, mit dem Ziel der Restrukturierung. Auch in diesem Ziel kommt das unternehmerische Engagement von Amend zum Tragen. „Mein Ziel ist es, Unternehmen zu retten", betont sie. Auch wenn die schnelle Verwertung von Unternehmensteilen für den Insolvenzverwalter mit weniger Risiko verbunden sei, mehr Masse (zur Befriedigung der Gläubiger) erbringe und schneller abgewickelt werden könne, stehe sie zu dem Konzept der Fortführung, und das nicht nur, weil es inzwischen auch vom Gesetz so gesehen wird. „Es macht Spaß, kreativ zu sein und selbständig aus einer scheinbar aussichtslosen Situation etwas zu machen", beschreibt sie ihren unternehmerischen Impetus. Bei dem Bauunternehmen Imbau, das im Zusammenhang mit der Holzmann-Pleite zusammenbrach, habe sie mit dieser Einstellung 1000 von 1800 Arbeitsplätzen retten können, sagt sie. In diesem Fall hat sie mit ihren Mitarbeitern ein Konzept entwickelt, wie man die für ein Bauunternehmen üblichen Baustellenbürgschaften der Bank reduziert. Sie hat durch Optimierungen im Baustellenmanagement das Risiko der Banken von 180 Millionen auf 30 Millionen Euro gesenkt - und sich dieses Management bezahlen lassen, was sich wie-derum auf die für die Gläubiger zur Verfügung stehende Masse positiv ausgewirkt habe.
Das alles kann man nicht als Minikanzlei. Frau Amend hat daher in Kronberg bei Frankfurt auch 50 Mitarbeiter in ihrer Kanzlei und in der Amend Consulting GmbH & Co. KG, darunter eine Reihe von Betriebswirten und Ingenieuren. Die betriebswirtschaftliche Beratung sei zur Abwicklung großer Insolvenzen notwendig. Sie muß aber auch ausgelastet werden. Daher expandiert das Büro Amend. Seit 2003 gibt es eine Niederlassung in München. Geplant sind weitere Niederlassungen in Berlin, Köln und Hamburg, „den Großräumen mit den meisten Unternehmensinsolvenzen in Deutschland". Nach einer Anlaufphase von zwei Jahren an den jeweiligen Standorten sieht Frau Amend ihre Unternehmensgruppe bei 75 bis 80 Mitarbeitern.

Sie sei damit gewappnet für jede Insolvenz. Wobei die Großinsolvenzen häufig einfacher zu bearbeiten seien als kleinere, weil Großunternehmen über eingefahrene Organisationen verfügen. Etwas neidisch blickt sie nach Amerika, wo die dem deutschen Vergleich ähnliche Vorschrift „Chapter 11" dem Unternehmen zur Restrukturierung eine Verschnaufpause einräumt, in der es vor seinen Gläubigern geschützt wird. Der deutsche Gesetzgeber schütze dagegen noch immer zu sehr den Gläubiger vor dem Unternehmen. Hier fordert sie den Gesetzgeber, die Insolvenzordnung zu ändern.

Frau Amend fordert, den schon in der Ordnung enthaltenen Insolvenzplan aufzuwerten und noch eindeutiger in den Dienst der Unternehmensfortführung zu stellen. Der Insolvenzplan werde in Deutschland noch zu selten erstellt und komme meist zu spät. Die erfolgreiche Insolvenz der Drogeriekette „Ihr Platz" habe gezeigt, daß man mit Hilfe eines Insolvenzplanes ein gestraucheltes Unternehmen erfolgreich sanieren und wieder auf Wachstumskurs führen könne. Amend wünscht sich auch eine stärkere Beratung der Unternehmen vor der Insolvenz. Diese werde nach derzeitigem Recht geradezu verhindert. Denn wer das Unternehmen vor der Insolvenz berate und auf eine unternehmenserhaltende Insolvenz mit Eigenverwaltung vorbereite, der dürfe wegen drohender Interessenkollision kein Insolvenzverwalter in diesem Fall werden.
Aber langsam setze sich bei Unternehmen die Tendenz durch, sich vor einer Insolvenz beraten zu lassen, wie man eine Insolvenz vermeiden kann oder wie man innerhalb eines Insolvenzverfahrens das Unternehmen umstrukturieren und neu aufstellen kann. „Wir versuchen auf jeden Fall eine Insolvenz zu vermeiden, selbst in solchen Fällen, in denen eine Sanierung in der Insolvenz leichter wäre." Denn Insolvenz habe in Deutschland nach wie vor einen negativen Ruf. Frau Amend plädiert daher dafür, den Insolvenzplan aus der Insolvenzordnung herauszulösen und ihm als gerichtlichem Reorganisationsplan ein besseres Image zu geben.
Noch mehr Sorge als der nach wie vor schlechte Ruf der Insolvenz bereitet Frau Amend die Wettbewerbssituation auf dem Markt der Insolvenzverwalter. Auch hier ist die Internationalisierung zu spüren. „Immer häufiger drängen angelsächsische Berater in unseren Markt mit dem Ziel, die Insolvenz aus Deutschland her-aus ins Ausland zu verlagern", stellt Frau Amend fest und nennt als Beispiel die deutsche Vertriebsgesellschaft von Rover.
Die Zukunft ihres eigenen Unternehmens sieht sie weder durch die Konkurrenz aus dem Ausland gefährdet noch durch den Rückgang der Insolvenzzahlen. Nur wenige der 1600 deutschen Insolvenzverwalter könnten Insolvenzen jeder Größenordnung abwickeln: Sie schätzt deren Zahl auf höchstens fünfzig. Bei rückläufi-gen Insolvenzzahlen sorge die zunehmende Beratugsleistung für einen Ausgleich.

Das Unternehmergespräch
Angelika Amend, am 18. April 1961 in Lübeck geboren, hat sich nach ihrer juristischen Ausbildung und einer „Lehre" im Anwaltsbüro Schaaf 1992 selbständig gemacht. Die verheiratete Mitherausgeberin der Zeitschrift „Insolvenz und Vollstreckung" sammelt Bücher über die Französische Revolution und die Zeit Na-poleons und liest gern Biographien.
Die Kanzlei Amend Rechtsanwälte wurde 1992 in Kronberg bei Frankfurt gegründet und hat seither mehr als 600 Unternehmensinsolvenzen begleitet. 2003 kam die erste Niederlassung in München hinzu, 2004 die Beratungsgesellschaft Amend Consulting GmbH & Co KG. Die Unternehmen beschäftigen 55 Mitarbeiter.

Seite 18 / Montag, 10. April 2006, Nr. 85
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Beitragvon Matthias/Wismar » Fr, 21.04.2006 11:17

„Wir wollen die Sanierung vor der Insolvenz"

das sagt alles.
MFG

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Beitragvon pestw » Mo, 24.04.2006 11:49

Aber so wie das Insolvenzrecht heute beschaffen ist, braucht man sich nicht zu wundern, wenn so gut wie kein Unternehmenslenker auf die Idee kommt, die Insolvenz einen einzigen Tag früher anzumelden als von Gesetzgeber zwingend gefordert ist. Ein Sanierungsversuch auf eigene Faust ist immer noch aussichtsreicher, als Insolvenz wegen drohender Zahlungsunfähigkeit vorzeitig anzumelden und sich einem externen Insolvenzverwalter auszuliefern. So lange eben die Insolvenzverwalter besser beraten sind, auf Nummer sicher zu gehen und den Weg der Zerschlagung zu gehen, als einen ernsthaften Sanierungsversuch zu machen.
Im Fall von CargoLifter kann man ganz deutlich erkennen, dass die Lieferanten, zu deren Schutz das Insolvvenzrecht ja dienen soll, weit mehr von einer Fortführung auf kleinerer Flamme profitiert hätten, als wenn sie nach Jahren vielleicht - was noch sehr fraglich ist - eine kleine Quote zugesprochen bekommen, nachdem sie ihre Forderung längst abgeschrieben haben oder selber daran zugrunde gegangen sind.
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Beitragvon Matthias/Wismar » Mo, 24.04.2006 14:15

Im Fall von CargoLifter kann man ganz deutlich erkennen, dass die Lieferanten, zu deren Schutz das Insolvvenzrecht ja dienen soll,


das insolvenzrecht ist zum schutze von gläubigern geschaffen worden .

lieferanten sind natürich auch gläubiger solange noch rechnungen offen sind.

aber auch ein guter insolvenzverwalter hätte das unternehmen nicht forführen können da auch in naher und ferner zukunft keine einnahmen zu erwarten waren.
MFG

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Beitragvon pestw » Di, 25.04.2006 10:14

Und wieder eine neue Runde in der Schleife....:

das insolvenzrecht ist zum schutze von gläubigern geschaffen worden .
Das trifft zu. Es ist aber meiner Meinung nach auch schon ein Verstoß gegen die Eigentumsgarantie des Grundgesetzes, dass die Eigentümer eines insolventen Unternehmens oder wenigstens ihre gesetzlichen Vertreter (Vorstand, Aufsichtsrat) am Verfahren nicht beteiligt sind und keine Mitspracherecht bei der Verfahrensweise haben, jedenfalls in dem Fall dass ein starker Verwalter eingesetzt wird (was die Regel ist).

lieferanten sind natürich auch gläubiger solange noch rechnungen offen sind.
Richtig. Aber es gilt das von mir gerade Gesagte: die Lieferanten hätten mehr davon gehabt, wenn sie auf ihre Zahlung noch hätten warten müssen, das Unternehmen aber in reduzierter Form weiter geführt worden wäre und mittelfristig wieder neue Aufträge für sie herausgesprungen wären.

ch ein guter insolvenzverwalter hätte das unternehmen nicht forführen können da auch in naher und ferner zukunft keine einnahmen zu erwarten waren.
Dass das Unsinn ist, weißt du wahrscheinlich selber. Schließlich wurde bereits vor dem Insolvenzantrag vom Management beschlossen, dass die Weiterentwicklung des CL 160 eingefroren wird und zunächst alle Kräfte auf die Markteinführung des CL 75 gerichtet werden. Dafür gab es ja auch schon einen unterschriebenen Auftrag (Ja, ich weiß, mit - rechnerisch - finanzieller Beteiligung von CargoLifter selber) und zahlreiche Anfragen. Von Boeing gab es zudem einen LOI zur Zusammenarbeit bei der Entwicklung einer Höhenplattform.
Außerdem, mit etwas Vorstellungskraft und - vor allem - gutem Willen - hätte es auch zahlreiche Möglichkeiten einer Sekundärnutzung von Flächen gegeben. Also kürzerfristigen Einnahmepotenzialen.

Weiter gehe ich darauf gar nicht ein, denn das wird wieder eine endlose Wiederholung von bereits Gesagtem...
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Beitragvon Matthias/Wismar » Di, 25.04.2006 11:21

Dafür gab es ja auch schon einen unterschriebenen Auftrag (Ja, ich weiß, mit - rechnerisch - finanzieller Beteiligung von CargoLifter selber) und zahlreiche Anfragen.


ich wiederhole mich ja ungern aber tragen wir mal die fakten zusammen:

konnte der AC 75 durch heavy-lift bezahlt werden?

Antwort: NEIN

kann man löhne und alle anderen kosten durch anfragen potenzieller kunden bezahlen?

Antwort: NEIN

kann man löhne und alle anderen kosten durch LOI`s mit boeing bezahlen:

Antwort siehe oben.


desweiteren gibt es ja immer noch firmen die LTA-geräte produzieren, wieviele werden davon in der arktis eingesetzt? oder sonstwo im nicht militärischen bereich?


und wenn die sekundärnutzung der flächen zu kurzfristigen einnahmen geführt hätten wieso ist das management nicht vor der insolvenz darauf gekommen?


achja, und das wichtigste: ein insolvenzverwalter, insbesondere ein tüchtiger, hat bestimmt nicht die aufgabe die schulden eines unternehmens zu erhöhen und genau das wäre bei fortführung der fall gewesen.
MFG

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Beitragvon pestw » Fr, 10.10.2008 6:35

Wenn man die Nachrichten über die Hertie-Insolvenz liest, möchte man beinahe glauben, es gäbe doch Ausnahmen von der Regel, dass Insolvenzverwalter immer nur zum Schein Rettungsbemühungen vortäuschen. Da bin ich mal gespannt, wie das weitergeht:

http://www.welt.de/welt_print/article25 ... etten.html

Frauen zwischen 30 und 50 sollen Hertie retten
9. Oktober 2008, 02:52 Uhr

Biner Bähr wählt die Vorwärtsstrategie: Während die Kollegen bei Wehmeyer und SinnLeffers bereits die Schließung zahlreicher maroder Häuser angekündigt haben, will der Insolvenzverwalter von Hertie davon noch nichts wissen. Erst im Dezember oder Januar sollen die Prüfungen abgeschlossen sein. "Wir wollen den Umsatz steigern", sagt er, "da sind Filialschließungen eher kontraproduktiv". Selbst wenn einige der 72 Häuser geschlossen werden müssten, werde Hertie neue Filialen eröffnen - vor allem für die Zielgruppe der Frau zwischen 30 und 50 Jahren.

Tatsächlich setzt er im November den alten Plan um, am bayerischen Standort Straubing neu zu eröffnen - und das mitten im vorläufigen Insolvenzverfahren. Der Düsseldorfer Anwalt, der schon den Motorradzubehör-Händler Hein Gericke durch die Insolvenz gesteuert hatte, sprach sogar mit SinnLeffers und Wehmeyer über die Übernahme von Filialen. "Die waren sehr überrascht, als ich anrief", sagt Bähr. Spruchreif sei jedoch noch nichts. Bis Mitte November will er einen Investor gefunden haben, mit einem Dutzend Interessenten gebe es "ernsthafte Gespräche". Im vergangenen Geschäftsjahr (Ende August) erzielten 3400 Mitarbeiter einem Umsatz von 450 Mio. Euro. Der Verlust soll in zweistelliger Millionenhöhe gelegen haben.

[...] weiter siehe obigen Link
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