23.08. WARUM STÜRZTE CARGOLIFTER AB? GEHT ES WEITER? EINE DISKUSSION MIT DEM BÜNDNISGRÜNEN BUNDESTAGSKANDIDATEN ROLAND VOGT
"Man hat mit uns ein ganz dummes Spiel gespielt"
KRAUSNICK Ein bisschen war der Gastgeber dann doch überrascht. "Das ist ja ganz schön voll geworden", sagte Roland Vogt am Mittwochabend verwundert. Im kleinen Biergarten am Landhotel Krausnick war fast jeder Platz besetzt. Der bündnisgrüne Bundestagskandidat hatte zu einer Diskussion um den Luftschiffbauer Cargolifter eingeladen. Motto: Wie weiter mit dem Standort Brand?
Die Frage zog vor allem Mitarbeiter an - beurlaubte, bereits entlassene, noch angestellte. Mittendrin Aufsichtsratschef Wolfgang Schneider. Einige Aktionäre kamen, der Unterspreewalder Amtsdirektor Carsten Saß war da, und der Karikaturist Rainer Schwalme, der einfach "neugierig" war. Vorne im Podium saßen neben Vogt der arbeitslose Ex Cargolifter-World-Chef Dirk Pohlmann und Wirtschaftsförderer Cord Schwartau vom Kreis. "Ich verstehe die Entscheidung nicht", sagte Vogt eingangs zur abgelehnten Bundesbürgschaft und sprach damit gleich den meisten Zuhörern aus dem Herzen. Nacheinander meldeten sich Cargolifter-Leute zu Wort. Sie redeten über "fehlenden politischen Willen", die Cargolifter-Idee zu unterstützen und von Medien, die diese Idee "falsch rüber" brachten. Von "diffusen Bauchentscheidungen" und einem "Mangel an strategischer Weitsicht" in Deutschland. Sie beklagten eine fehlende Lobby. Trotz Insolvenzverfahren sind sie sicher: ihr Luftschiff CL 160 ist technisch machbar, finanzierbar und es hat einen Markt. "Dass alles vorbei sein soll, kann ich noch nicht einsehen", sagte Dirk Pohlmann. Und eine frühere Chefsekretärin orakelte: "Man hat mit uns ein ganz dummes Spiel gespielt." Vor allem der Bund geriet in die Schusslinie. Noch vor kurzem vom Kanzler hoch gelobt, werde Cargolifter nun fallen gelassen - auf Druck von mächtigen Lobbyisten aus der Luft- und Raumfahrtindustrie, die im Kampf um den milliardenschweren Futternapf den Neuling aus Brand einfach weggebissen hätten. Auch von Gablenz-Nachfolger Wolfgang Schneider kann sich "dieses Eindrucks nicht erwehren." Doch als einziger übt er auch schonungslose Selbstkritik: "Das war alles ein bisschen hochgedreht." Er nannte die "überzogene Firmenstruktur", die einem Weltkonzern wie Daimler-Chrysler gleiche und fragte entgeistert: "Was soll denn das?!" Er kritisierte die edle Ausstattung von Büros mit Designerlampen. Schneider unverblümt: "Ihr seid mit dem Geld fremder Leute umgegangen, dass es eine Sau graust." Genauso deutlich gab er aber auch zu verstehen, dass "die Fehler kein Grund sind, die Innovation zu stoppen." Verärgert zeigte sich Schneider über Hinweise auf millionenschwere Investoren, die angeblich sofort in Brand "einsteigen" könnten und warf denjenigen, die darüber reden, "Profilierungssucht" vor.
Roland Vogt, der für die Initiative "Zukunft in Brand" selbst Geld einzahlte, verspricht im Wahlkampf, sich im Bundestag für die Cargolifter-Technologie einzusetzen. Das könnte knapp werden. Wolfgang Schneider: "Wir fordern alle Beteiligten auf: legt die Karten auf den Tisch, hört auf mit der Geheimniskrämerei! Sonst ist es zu spät." paw
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